Spannungen innerhalb der SP werden offen sichtbar, besonders nach der krassen Ablehnung der Erbschaftssteuer-Initiative der Juso. Teile der Partei wenden sich gegen eine Führungsrolle der Linksradikalen.
Auch in der SVP hat ein radikaler Flügel massgeblichen Einfluss, aber die Gemässigten haben sich über Jahrzehnte daran gewöhnt, sich unterzuordnen. Allfällige Spannungen werden deshalb auch weiterhin kaum sichtbar.
Die Überzeugung, dass eine unverbindliche Zusammensetzung der Regierung besser sei als die Notwendigkeit, eine Koalition zu bilden, wird sich wohl in der Schweiz noch lange halten. Sie wird nun zusätzlich genährt durch die Entwicklung in Deutschland: Sowohl in der Union als auch in der SPD ist unsicher, ob die Basis und die mittleren Kader die Koalitions-Kompromisse noch längere Zeit ertragen und mittragen. Es ist möglich geworden, dass Deutschland eine Minderheitsregierung bekommt, die für ihre Vorlagen im Bundestag abwechselnd um Stimmen der linken und der rechtsextremen Opposition werben muss und immer wieder Vorlagen nicht durchbringt. Aber bis dahin verdient der Einsatz der Parteiführungen für das Zusammenbleiben der Koalition und für eine gemeinsame Regierungspolitik, die diesen Namen verdient, Anerkennung.