Link zu „Nachtkritik“, Link zu „Persönlich“, Link zu „Kleinreport“.
Kulturschaffen braucht Öffentlichkeit: Nicht nur um sich bekannt zu machen, sondern auch um Resonanz zu bekommen. Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Künstlerinnen und Künstler sind daran interessiert – einige würden sagen: darauf angewiesen -, sich an Kritik zu reiben, um sich weiterzuentwickeln. – Der Wert der Kulturkritik für die kulturell interessierten Individuen und Gruppen ist ohnehin augenfällig.
Zweierlei Wandel verändert die Voraussetzungen für Kulturkritik: Der Wandel der Medienlandschaft und der Wandel des Informationskonsums.
Wandel der Medienlandschaft: Die Zahl der unabhängigen Redaktionen vermindert sich. Und sie sparen, nicht nur, aber auch am Kulturjournalismus. Für den Ressourceneinsatz werden die Prioritäten härter an quantitativen Wahrnehmungen oder Annahmen über die Beachtung bestimmter Themen orientiert. Diesen Kriterien folgt nun auch die Unterordnung der „Kultur“ unter das „Leben“. Der Entscheid überrascht kaum, denn das „Leben“ ist schon bisher mehr und mehr in die „Kultur“ eingedrungen. Nicht nur bei Tamedia.
Wandel des Informationskonsums: Es findet eine Verlagerung von traditionell redigierten Angeboten auf spezialisierte Plattformen statt. Diesem Trend folgen auch die Interessentinnen und Interessenten an Kulturkritik. Sie werden fündig bei Angeboten wie „Nachtkritik“, Viceversa Literatur und anderen.
Abschliessend ein Auszug aus der von Daniel Rothenbühler verfassten Vernehmlassung von ch-intercultur, eines in Neuorientierung begriffenen Vereins zur Förderung von Kulturinformation und Kulturkritik (vormals Schweizer Feuilleton-Dienst), zur Kulturbotschaft 2021-2024:
„Erfreulicherweise ist hier zum Thema «Kunstvermittlung» zunächst einmal nicht bloss von «Promotion» die Rede, sondern davon, dass «für die Vermittlung und die Rezeption des zeitgenössischen Kunstschaffens aller Sparten (…) die öffentlich geführte Diskussion und individuelle Reflexion über Kunst und Kultur wesentlich» (S. 17) ist. Dazu stellt die Kulturbotschaft fest, dass die Entwicklungen in der Schweizer Medienlandschaft (…) zu einem Rückgang der Kulturkritik in den traditionellen (Print-)Medien» (S. 17) führen und dass «gleichzeitig (…) entsprechende Diskussionsräume im digitalen Bereich noch weitgehend aufgebaut werden» (S. 17) müssen.
Im Sinne unserer obigen Ausführungen wäre es sinnvoll, nicht einfach festzustellen, was in den
herkömmlichen Medien geschieht, und dieser Entwicklung vermehrte Anstrengungen ausschliesslich im
digitalen Bereich gegenüberzustellen, sondern beides in Verbindung der Medien- mit der Kulturpolitik im Hinblick auf Anstrengungen für beide Bereiche anzugehen. Dann würde auch besser absehbar, auf welche Weise ab 2021 auch im Medienbereich «die bisherige Praxis der Unterstützung von kulturellen
Vermittlungsprojekten in Richtung der kritischen Kunst- und Kulturreflexion weiterentwickelt werden» kann.
Deklaration: Der Verfasser dieses Artikels ist Präsident von ch-intercultur.