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Wie ein US-Präsident geachtet werden konnte

Angesichts von Donald Trumps Wesensart und Politik lohnt sich, zu lesen, was Thomas Mann 1940 über den US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt sprach.

Seit 1940 richtete Thomas Mann aus seinem Exil über BBC Kurzansprachen, beginnend mit „Deutsche Hörer!“. In einer Ansprache im November 1940 ging er auf die Präsidentschaftswahl in den USA ein:

„Die Wiederwahl Franklin D. Roosevelts zum Präsidenten der Staaten ist ein Ereignis ersten Ranges, vielleicht entscheidend für die Zukunft der Welt, und so ist sie zweifellos auch von denen in Europa empfunden worden, die sich so stellten, als betrachteten sie die Wahl und ihr Ergebnis als eine rein inneramerikanische Angelegenheit. Mit Recht sehen die Zerstörer Europas und Schänder aller Volksrechte in Roosevelt ihren mächtigsten Gegenspieler. Er ist der Repräsentant der kämpfenden Demokratie, der wahre Träger einer neuen, sozial gebundenen Freiheitsidee und der Staatsmann, der zwischen Frieden und Appeasement wohl von jeher am klarsten unterschied. In unserem Zeitalter der Massen, dem als solchem der Führergedanke zugehört, war es Amerika vorbehalten, das glückliche Phänomen eines modernen Massenführers hervorzubringen, der das Gute und Geistige, das wirklich Zukünftige, Frieden und Freiheit will; und der heroische Widerstand Englands gegen die infamste Tyrannei, die je die Welt bedroht hat, dieser Widerstand, für den hier die Bewunderung täglich wächst, gibt ihm Zeit, die gewaltigen latenten Kräfte seines Landes für den Kampf um die Zukunft zu mobilisieren. (…)“

Das demokratische Europa muss sich damit abfinden, gegen Putin zumindest bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen keinen wie Roosevelt zur Seite zu haben.

Zitiert aus der Neuauflage Thomas Mann: „Deutsche Hörer!“, mit einem Vorwort und einem Nachwort von Mely Kiyak, erschienen 2025 im S. Fischer Verlag (Link).

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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