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Erweiterung des aktiven Lebensalters – am Beispiel der Präsidentschaftswahlen in den USA

Als Jahrgang 1952 reibt man sich die Augen: Präsident Trump (1946) und vier seiner aussichtsreichsten möglichen Gegenkandidaten – Sanders (1941), Biden (1942), Bloomberg (1942), Warren (1949) sind älter! Diese vier, die Trump herausfordern wollen, fühlen sich imstande, mit über 70 Jahren einen neuen, ziemlich anspruchsvollen Job anzutreten und während acht Jahren auszuüben. Ist das ein Symptom für eine generelle Erweiterung des aktiven Lebensalters?

In meiner Wohngemeinde ist einer der aktivsten Oppositionellen und Leserbriefschreiber gegen die Gemeindebehörden etwa 90-jährig.

1977 sang Udo Jürgens: „Mit 66 Jahren fängt das Leben an.“ Vielleicht würde er heute „mit 77“ singen. An sich ist diese Entwicklung doch erfreulich!

Ob es vernünftig, ob es lebensklug ist, mit zwischen 70 und 80 Jahren neu Präsident der USA werden zu wollen – normalerweise mit dem Anspruch, zwei Amtsdauern zu regieren? Aber in der Demokratie ist der politische Wettbewerb schrankenlos. Es gibt keinen Schutz des mittelalten Nachwuchses vor der Konkurrenz der Seniorinnen und Senioren. Und so kann man nur gespannt sein, welche Wettbewerbskraft Pete Buttigieg und Amy Klobuchar beweisen werden.

Übigens: Konrad Adenauer, Jahrgang 1876, war von 1949 bis 1963 deutscher Bundeskanzler, trat also das Amt mit 73 Jahren an. Ronald Reagan, Jahrgang 1911, wurde mit 70 Präsident der USA. Er war von 1981 bis 1989 im Amt.

Weshalb ist das so ganz anders als im Erwerbsleben, in dem so viele Menschen in einen möglichst frühen Ruhestand drängen, sofern sie ihn sich leisten können? Die Erklärungen heissen wohl  Freiwilligkeit,  ideelle Motivation und Ehrgeiz. Oft gegeben in der Politik – allzu selten im Erwerbsleben. Stoff zum Nachdenken, auch mit Blick auf die kalkulatorische Notwendigkeit, das Rentenalter zu erhöhen. Kalkulieren ist das Eine, Funktionieren das Andere.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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