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Das neu zugelassene Medikament Leqembi – Hoffnung für einen Teil der Alzheimerkranken

Die europäische Arzneimittelzulassungsbehörde EMA hat nun – nach einem vorangegangenen ablehnenden Entscheid – das Medikament Leqembi zugelassen. Der Entscheid von Swissmedic steht noch aus. Leqembi verlangsamt durch eine Ursachenbehandlung die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz, ist aber nur bei einem Teil der Betroffenen anwendbar, und die Therapie wird teuer sein.

Für die Medizin sind Leqembi und weitere Medikamente dieser Art, deren Zulassung zu erwarten ist, ein Durchbruch. Leqembi sei „das erste Mittel überhaupt, das eine Verlangsamung der stetig voranschreitenden Alzheimer-Erkrankung bewirkt“, stellt Stephanie Lahrtz, Wissenschaftsjournalistin der NZZ, fest: „(…) Schon eine verlangsamte Demenz ist viel wert. Das kann für Patienten wie Angehörige bedeuten, dass die Betroffenen länger weitgehend selbständig leben können. Dass sie später in ein Pflegeheim müssen. Dass sie wichtige Familienereignisse wie eine goldene Hochzeit oder das erste Enkelkind noch bewusst miterleben dürfen. Aber Leqembi ist kein Wundermittel. Es heilt Alzheimer nicht. Das Fortschreiten der Demenz wird nur sehr moderat gebremst. Und noch weiss man nicht, wie lange der Effekt anhält. Und es ist vor allem zu Beginn der Demenz wirksam, wenn die Symptome noch nicht allzu gravierend sind.“ (NZZ, 16.11.24, Link)

Diese medikamentöse Therapie muss schon in einer sehr frühen Phase der Krankheit einsetzen – zu einem Zeitpunkt, da sie bei vielen Betroffenen noch gar nicht diagnostiziert ist. Und für einen Teil von ihnen kommt Leqembi nicht in Frage, weil sie genetisch für gefährliche Nebenwirkungen disponiert sind. „Die Nebenwirkungen können fatal sein“, lesen wir im Bericht von Pia Heinemann, Co-Leiterin des Ressorts Wissenschaft der FAZ: „Werden die Beta-Amyloid-Plaques aufgelöst, können sich Ödeme im Gehirn bilden. Experten sprechen von ARIAs, kurz für Amyloid-related Imaging Abnormalities, radiologisch feststellbaren Veränderungen im Gehirn. Bei etwa einem Viertel der Behandelten treten sie auf, nur die wenigsten Patienten bemerken es. „Es kann auch zu Mikroblutungen kommen“, sagt Neurologe Peter Berlit, „im schlimmsten Fall zu einem Schlaganfall.“ Das bedeute auch, dass die Therapie für Menschen mit erhöhtem Schlaganfallrisiko oder für solche, die stärkere Blutverdünner etwa wegen Vorhofflimmerns einnehmen müssen, nicht geeignet ist. Auch schlecht oder nicht eingestellte Patienten mit Hypertonie oder anderen Gefäßrisikofaktoren kommen für die Antikörpertherapie nicht infrage. Wegen des ARIA-Risikos müssen aber auch die Patienten, bei denen die Antikörper eingesetzt werden können, engmaschig überwacht werden.“ („Frankfurter Allgemeine, 16.11.24, https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/lecanemab-neuzugelassener-antikoerper-hilft-bei-alzheimer-19605537.html)

Für die weitere Alzheimer-Forschung ist die Zulassung förderlich, da sie Erfahrungen mit zahlreichen Patientinnen und Patienten gewinnt.

Leqembi und andere Medikamente dieses Typs werden wegen ihrer Kosten auch eine massive Herausforderung für Gesundheitsökonomie, Gesundheitsethik und Gesundheitspolitik sein. Droht „Klassenmedizin“, wenn die Therapie die obligatorischen Krankenversicherungen finanziell überfordert? „Auch in Grossbritannien ist es seit Oktober erhältlich, allerdings nur auf eigene Rechnung“ (Stephanie Lahrtz).

Vor einer Überschätzung der Wirkung bei der Gesamtheit der Betroffenen ist somit zu warnen. Dr. Stefanie Becker, Direktorin von Alzheimer Schweiz, bringt es bei LinkedIn kurz und knapp auf den Punkt: Wichtig sei, „dass Betroffene realistisch und objektiv über Nutzen und Risiken aufgeklärt werden. Wir dürfen auch jene, die nicht mit Lecanemab behandelt werden können, nicht alleinlassen! Information und Beratung bleiben weiterhin zentral, um ein selbstbestimmtes Leben mit Demenz zu ermöglichen. Auch wenn Lecanemab ein Fortschritt ist: Heilbar wird Alzheimer dadurch leider nicht.“

Nötig bleibt jedenfalls, einer grossen und wohl weiter wachsenden Zahl Erkrankter und ihrer Angehörigen durch Beratung, Entlastung, Unterstützung das Leben mit der Alzheimer-Krankheit zu erleichtern.

Deklaration:

Der Autor ist Stiftungsratspräsident von Alois & Auguste, einer Förderstiftung für kooperative, innovative Projekte für ein besseres Leben mit Demenz (https://alois-auguste.ch/)

 

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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