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Parteien und die ökonomischen und sozialen Corona-Krisenopfer in ihren Reihen

Jede Partei hat unter ihren Mitgliedern ökonomische und soziale Opfer der Corona-Krise. Deren Zahl dürfte leider rasch und stark wachsen. Das ist für sie sowohl Risiko als auch Chance. Ein fruchtbarer Ansatz ist die Forderung „Nichts ÜBER uns OHNE uns!“ Die Parteien können Betroffenengruppen, Erfahrungsgruppen, Selbsthilfegruppen bilden, um ihre betroffenen Mitglieder ernst zu nehmen, zu unterstützen und zugleich ihre Erfahrungen als Expertise für die Politikgestaltung zu nutzen.

Das Risiko besteht darin, dass sich Mitbürgerinnen und Mitbürger, die ihre Stelle verloren haben, ihre Geschäftstätigkeit einstellen, in Konkurs gehen mussten, von ihrer bisherigen politischen Haltung abwenden. Das kann nach links oder nach rechts gehen. Vielleicht wähnen sich Vertreterinnen und Vertreter von rotgrünen Parteien davon nicht betroffen: Nach ihrem Selbstverständnis setzen sie sich ja für die Schwachen ein. Aber wenn ich an die kommende Abstimmung über die Kündigungsinitiative denke, kann ich mir durchaus vorstellen, dass Teile der bisherigen RotGrün-Wählenden, wenn sie ihre Stelle verloren haben, für die Parolen der SVP empfänglich werden.

Die Chance besteht darin, dass die Parteien ihre Positionen und Forderungen unter Einbezug der Erfahrungen der Betroffenen bilden, und dass sie sie, einmal entworfen, im Dialog mit ihnen austesten.

(Die Parole „Nichts ÜBER uns OHNE uns – Nothing ABOUT us WITHOUT us“ kenne ich übrigens aus meiner Tätigkeit bei Alzheimer Schweiz und Alzheimer Europe, von den sehr wirksamen Gruppen von Menschen mit Demenz, die sich in den letzten Jahren bildeten.)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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