FDP und Mittepartei müssen sich entscheiden, ob sie für diese Wählerinnen und Wähler wählbar bleiben oder die SVP mit Wahlabkommen und Listenverbindungen unterstützen wollen. Im letzteren Fall bleibt den Widerständigen gegen die SVP, die keine rotgrüne Partei wählen wollen, nur die Wahl zwischen Grünliberalen und Wahlabstinenz.
Die SVP sammelt nun alle Stimmen von Wählerinnen und Wählern, die mit ihr in der Einwanderungs-, Europa-, Klima-, Neutralitäts- und Sicherheitspolitik übereinstimmen. Ihnen bietet sie auch ihre Neutralitätsinitiative, ihre neue Einwanderungsinitiative und das Referendum gegen den Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative an. Wenn man bedenkt, dass die SVP ihre Ausschaffungs- und ihre Masseneinwanderungsinitiative durchbrachte, könnte sie durchaus stärker zulegen, als es ihr in den Kantonen Luzern und Genf gelang.
Die Auseinandersetzung, die in der Schweiz mit dem rechtsnationalistischen Populismus geführt werden muss, steht in einem europäischen Zusammenhang. Zwei Beispiele: Marine Le Pen im zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahl 2022 41 Prozent der Stimmen. Die österreichische FPÖ nähert sich in einer Umfrage der 30-Prozent-Marke. Es gibt kaum mehr eine west- und mitteleuropäische Demokratie, in der kein harter Kampf im Gang ist, die Rechtspopulisten daran zu hindern, dass sie die Führung des Staates übernehmen.