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„Ist die Zukunft einer vielfältigen und qualitativ hochstehenden Kulturberichterstattung gefährdet?“

Über die Bedeutung von Kulturberichterstattung und Kulturkritik für das kulturelle Schaffen und Erleben ist neu nachzudenken. Ihre Zukunft ist ungewiss. Medienkonzentration, wachsende Angebotsvielfalt und Spezialisierung im Internet sowie der Wandel des Informationskonsums wirken sich aus. Nationalrätin Min Li Marti fordert den Bundesrat in einer Interpellation auf, sich im Kontext der Kulturpolitik zu dieser Entwicklung zu äussern.

Link zur Interpellation von Nationalrätin Min Li Marti (SP, ZH) unter dem Titel „Ist die Zukunft einer vielfältigen und qualitativ hochstehenden Kulturberichterstattung gefährdet?“

Interpellationstext:

„Sowohl das Informations- und Kommunikationsverhalten der Bevölkerung als auch die Medienlandschaft wandeln sich stark und rasch. Dies wirkt sich insbesondere auch auf die mediale Kulturberichterstattung aus. Es gibt immer weniger selbständige Kulturredaktionen, sowohl in den Printmedien wie in den elektronischen Medien nimmt der Raum, der der Kultur zur Verfügung steht ab. Mediale Kulturinformation konzentriert sich zunehmend entweder auf Grossereignisse wie Premieren auf grossen Bühnen oder Neuerscheinungen prominenter Autorinnen und Autoren oder auf kulturelle Anlässe von lokaler oder regionaler Bedeutung. So verliert die Schweiz an Vielfalt der Themen und der kritischen Stimmen und an überregionalen Kulturinformationen insbesondere über die Sprachregionen hinaus. So verliert immer mehr wertvolles Kulturschaffen an Aufmerksamkeit.Denn das Kulturschaffen ist auf eine kompetente, rege und vielfältige öffentliche Kulturkritik angewiesen. Sie ist es auch, die in der Bevölkerung das Interesse am kulturellen Schaffen und Darbieten des ganzen Landes weckt und wachhält. Wenn Kultur gefördert wird, ist es auch im Interesse der Förderung, dass sie auch Beachtung findet.

In diesem Zusammenhang bitten wir den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:

1. Wie beurteilt er die Bedeutung der Kulturkritik für das Kulturschaffen und für das Interesse der Bevölkerung an kulturellen Leistungen und Darbietungen?

2. Wie beurteilt er die Auswirkungen des Bedeutungsverlusts traditioneller Medien und der Medienkonzentration auf die Kulturkritik?

3. Ist er bereit, kulturjournalistische Publikationen oder Organisationen künftig finanziell zu unterstützen? Oder allenfalls im Sinne einer Anschubfinanzierung oder einer Umstrukturierung vorübergehend zu finanzieren?

4. Die Zukunft der kulturjournalistischen Kooperation zwischen ch-intercultur (vormals Schweizer Feuilleton-Dienst) und Keystone-SDA/ATS ist ungesichert. Heute gewährleistet ch-intercultur eine breite Kulturberichterstattung auch über die Sprachregionen hinaus. Wie kann dies künftig sichergestellt werden, wenn diese Kooperation beendet würde?

5. Könnte sich der Bundesrat auch vorstellen im Rahmen der Kulturförderung wieder Special-Interest-Publikationen wie die Literaturzeitschriften zu unterstützen?“

*

Deklaration meiner Beziehung zum Thema: Ich (Ulrich Gut) bin Präsident von ch-intercultur.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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