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NZZ in Deutschland und in der Schweiz: Geschäftsstrategie und politische Kursentwicklung

Für den Konzernchef der NZZ ist die Expansion der NZZ nach Deutschland ein „strategischer Imperativ“. Sie ist aber auch mit einer politischen Kursentwicklung verbunden, und dies nicht nur mit Blick auf ein deutsches Zielpublikum in einer Marktlücke zwischen bürgerlichen Traditionszeitungen wie der „Frankfurter Allgemeinen“ und der AfD.

Auszug aus dem Kommentar des Medienredaktors der „Schweiz am Wochenende“, Christian Mensch, in der Ausgabe vom 16.5.26:

„(…) Felix Graf, Konzernchef der NZZ, hat dafür einen Begriff gefunden: Die Expansion nach Deutschland sei ein «strategischer Imperativ». Am Swiss Media Forum erklärte er, mit fünf Millionen Deutsch-schweizern lasse sich die NZZ auf Dauer nicht finanzieren. Um die redaktionelle Leistung ausgebaut halten zu können, müsse die Zahl der Abonnenten wachsen – in Deutschland.

Es ist zwar eher zu vermuten, dass der Unternehmensleiter zur Strategie erklärt, was der Redaktionsleiter ohnehin praktiziert, als dass er in umgekehrter Kausalität den publizistischen Kurs definiert hat. Bemerkenswert ist es jedoch allemal.

Denn in der Schweiz gehört das konservativ-belesene Bürgertum zur Stammkundschaft der NZZ; in Deutschland akquiriert sie ihre Neukunden am rechten Rand. In der Schweiz argumentiert sie aus dem Zentrum der Macht; in Deutschland blafft sie von aussen gegen die Macht. Es wäre eine Novität, sollte eine solch quere Mischung als publizistische Identität taugen. (…)“

*

Zu ergänzen ist, dass man als Schweizer NZZ-Leser den Eindruck eines Erstarkens des rechten Redaktionsflügels um die beiden Ressortleiter Benedict Neff (International) und Rico Bandle (Feuilleton), Medienredaktor Lucien Scherrer, sowie die einflussreiche Inlandredaktorin Katharina Fontana hat. Dazu kommen signifikante Abgänge: Wirtschaftsredaktor Hansueli Schöchli (bereits weggegangen), Leiter der Bundeshausredaktion Fabian Schäfer (Wechsel zur Schweiz am Wochenende angekündigt). Neu kommt im Juli vom Nebelspalter Dominik Feusi in die Wirtschaftsredaktion der NZZ. Dies führt zu Annäherungen des Schweiz-Kurses an den Deutschland-Kurs. Aber noch bleibt ein achtenswerter Teil der NZZ-Redaktion auf liberalem Schweiz-Kurs.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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