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Für ein besseres Leben mit Demenz: Zweite 8 Jahre für Hollands „Deltaplan Demenz“ – Eine Plattform für die Schweiz

Die Niederlande bleiben Musterstaat für ein besseres Leben mit Demenz. Der Zufall wollte, dass am selben 24. Oktober 2019, als Bund und Kantone die Schaffung einer Plattform bekanntgaben, an der Jahreskonferenz von Alzheimer Europe in Den Haag die zweite achtjährige Phase der niederländischen Demenzstrategie – des „Deltaplans Demenz“ – vorgestellt wurde.

Die schweizerische Plattform ist eine Chance – nicht mehr und nicht weniger. Die Chance besteht darin, dass diejenigen, die sich auf dieser Plattform begegnen werden, für Nachhaltigkeit der Nationalen Demenzstrategie sorgen, die 2014 begann und Ende 2019 abgeschlossen wird und dass sie die Lücken füllen, die die Strategie offen liess. Alzheimer Schweiz, die sich vor 15 Jahren erfolgreich für die Strategie einsetzte, wird gefordert sein, dafür zu kämpfen, dass die Chance genutzt wird.

Seit ich als Präsident von Alzheimer Schweiz die Jahreskonferenzen von Alzheimer Europe besuche, stelle ich immer wieder fest, dass die Niederlande das Musterland im Einsatz für ein besseres Leben mit Demenz sind: In Strategie und Praxis. Holland ist ein in Vielem mit der Schweiz vergleichbar: Ein wirtschaftlich erfolgreiches Land mittlerer Grösse, mit starken gemässigt-liberalkonservativen politischen Kräften. Ein wichtiger Unterschied besteht allerdings im schweizerischen Föderalismus: Das Gesundheitswesen ist kantonal. Aber nichts spricht dagegen, dass die Schweiz zugunsten der Menschen mit Demenz und der betreuenden und pflegenden Angehörigen mit den Niederlanden gleichzieht. Bereits sind ja auch die Kantone durch ihre Konferenz der Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren an der Demenzstrategie und nun an der Plattform beteiligt.

„Deltaplan.“

Wie Prof. Dr. Philip Scheltens, Vizepräsident von Deltaplan Dementie, bei Alzheimer Europe erklärte, geht der Begriff „Deltaplan“ auf die grosse Flut von 1953 zurück. Damit sich keine solche wiederhole, wurde ein Deltaplan erarbeitet und umgesetzt.

Seither wird in Holland nach einem Deltaplan gerufen, ein Deltaplan geschaffen, wenn es um die Lösung ganz grosser, ganz dringender Aufgaben geht. Als eine solche wurde die Herausforderung der Gesellschaft durch die Demenzkrankheiten, insbesondere die Alzheimerkrankheit, betrachtet. Deshalb: Deltaplan Demenz!

Er wurde per 2013 in Kraft gesetzt und bis 2020 befristet. Nun beschloss die Regierung eine Verlängerung um weitere acht Jahre – und eine Verdoppelung der finanziellen Mitteldotation!

Der Deltaplan hat drei Säulen:

  • Prevention and Cure
  • Healthcare and Support
  • Dementia friendly society

Für eine öffentlich und privat verbundene Umsetzung des Deltaplans wurde eine Trägerschaft mit rund 70 Mitgliedsorganisationen aus Gesundheitswesen, Bildung, Forschung und anderen geschaffen.

Anders als in der schweizerischen Demenzstrategie, ist die medizinische und naturwissenschaftliche Forschung voll in den Deltaplan einbezogen. Über das Teilprogramm „Memorabel“ informierte Prof. Marianne de Visser.

Memorabel verfolgt zwei Ziele:

  • Für Patientinnen und Patienten von morgen: Erforschung der Ursachen, Mechanismen, Präventivmassnahmen, Diagnostik.
  • Für Patientinnen und Patienten von heute: Positive Gesundheitsmassnahmen: Empowerment, Kompetenzerhaltung und -nutzung, Selbstsorge, soziale und sozietale Partizipation, im Kontext der physischen, sozialen und emotionalen Herausforderungen eines Lebens mit Demenz.

Mehr dazu hier:

Dinant Bekkenkamp, Forschungsleiter von Alzheimer Nederland, der Schwesterorganisation von Alzheimer Schweiz, informierte über die starke Mitwirkung dieser Organisation an der Umsetzung des Deltaplans. Insbesondere sorgt Alzheimer Nederland für den Einbezug der Direktbetroffenen in die Planung und Auswertung der Forschung. Hierfür hat Alzheimer Nederland Fokusgruppen von Menschen mit Demenz sowie von pflegenden und betreuenden Angehörigen gebildet.

Karlijn Kwint, Projektmanagerin bei der nationalen Wissensorganisation für Langzeitpflege Vilans, beleuchtete die Arbeit an der zweiten Säule: Es geht um personalisierte und integrierte Pflege und Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre informellen Pflegenden und Betreuenden.

Herausgegriffen seien:

  • Zusammenarbeit unter den involvierten Berufen
  • Organisation und Finanzierung der Unterstützung
  • Wissensnetzwerk und Wissensverbreitung
  • Schaffung eines Registers über Demenzpflege und Support
  • Definition eines Pflegequalitäts-Standards „2.0“
Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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