Beispiel Tages-Anzeiger vom 24.3.21. Folgende Themen füllen die beiden Seiten „Kultur und Gesellschaft“:
„Wo ist Rebecca? Das Verschwinden von Rebecca Reusch ist einer der mysteriösesten Kriminalfälle in Deutschland – und Thema für das boomende True-Crime-Genre.“
„So schlecht geht es den Schweizer Kinos wirklich.“
„Warum sehen wir alles so negativ?“ (LeserInnen fragen den Psychoanalytiker Peter Schneider)
Mit viel gutem Willen mag man den folgenden Beitrag teilweise als Kulturkritik in der Sparte Architektur betrachten, aber der Akzent liegt auf der Entwicklung des Wohnens: „Sieht aus wie ein Einfamilienhaus, ist aber keines. Getarnte Architektur Zürcher Architekten bauen in Zollikon ZH Mietwohnungen im Look eines Eigenheims. Läuten sie damit das Ende einer Schweizer Institution ein?“
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Update 25.3.21:
NZZ–Feuilleton vom 25.3.21:
„Empfehlenswerte Neuaufnahmen für die Passionszeit und Ostern“, vier „Tipps der Woche“ und eine schöne Würdigung einer Pionierin der Architektur.
Sonst alles Betrachtungen, unter anderem über das Scheitern von Meghan und Harry und über Gerhard Schröders Beziehung zu Putin.
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Es geht nicht darum, die Berechtigung dieser Beiträge und das Interesse der Leserinnen und Leser an ihnen in Frage zu stellen, sondern darum, mit welcher Resonanz das schweizerische Kulturschaffen künftig noch rechnen kann. Oder positiver: Wie es künftig zu Resonanz kommt.
Kulturkritik dient nicht nur dazu, die interessierte Öffentlichkeit auf neue kulturelle Werke hinzuweisen. Für die Kulturschaffenden ist die Kritik auch weiterführende Reflexion.
Es geht auch nicht darum, den Tages-Anzeiger anzuprangern. Das gewählte Beispiel steht für eine allgemeine Tendenz. Die NZZ hat das Feuilleton zur Plattform für konservative Theorie gemacht – mit Verdrängungseffekt auf die Kulturkritik.
Es gibt wohl keinen Weg zurück. Für die Kulturkritik müssen neue, wohl vorab digitale Wege gefunden werden. Beispiele sind Viceversa Literatur, Nachtkritik, literaturkritik.de, tell review von Sieglinde Geisel (vormals NZZ). ch-intercultur (vormals Schweizer Feuilleton-Dienst) arbeitet an einem neuen, kulturspartenübergreifenden Online-Modell.
Es wird nicht genügen, dass es diese und künftig weitere Angebote gibt. Das kulturell interessierte und interessierbare Publikum muss sie auch finden.