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Orbans „grossungarische“ Ambition – Sicherheitsrisiko für Westeuropa?

Käme Viktor Orban Russland strategisch entgegen, würde er die Allianz wechseln, wenn ihm Russland nach einer „Neuordnung“ Europas die Rückgabe ehemaliger „Grossungarn“-Territorien verspräche, die Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg durch den Vertrag von Trianon verlor? Dann könnten russische Truppen zur österreichischen Grenze vorrücken, und durch ein militärisch schwaches Österreich an die Grenze der NATO, an Bodensee und Rhein.

Aus Georg Häsler: „Die gefährlichsten Bedrohungen der Schweiz“, NZZ 29.7.23:

„(…) Ein fragmentiertes Europa könnte so zum Schauplatz des sino-amerikanischen Wettbewerbs werden – mit neuen Akteuren, die sich die Rivalität zunutze machten, um eigene Ziele durchzusetzen. Plötzlich wäre der Schal mit den Umrissen Grossungarns, den Präsident Viktor Orban an der Fussball-WM in Katar trug, nicht mehr nur ein protziges Statement, sondern Programm. Der historische Revanchismus diente als Projektionsfläche eines alternativen Europa.

Eine solche Machtpolitik im Kleinformat hat das Potenzial, bewaffnete Konflikte in unmittelbare Nähe der Schweiz zu bringen; sicher nicht sofort, aber vielleicht mittelfristig. Ein fragmentiertes Umfeld wäre unübersichtlich, die einzelnen Nachbarländer könnten zu Stellvertretern der einen oder anderen Grossmacht werden, die Rolle der einzelnen Akteure – etwa der Atommacht Frankreich – wäre unberechenbar.

Das schweizerische «center of gravity», die Drehscheibenfunktion, die Vernetzung, die Vielfalt und der Wohlstand, müsste in diesem Fall auf der gesamten Skala der Risiken geschützt werden: von Spaltungsversuchen über Sabotage bis zu einem bewaffneten Angriff. Ein Gegner könnte einen Geländeteil als Pfand besetzen, um damit eine politische Forderung zu erpressen. So weit reicht das Undenkbare, das nicht eintreffen darf. (…)“

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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