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Die Schweiz testet Ersatzbeziehungen zur EU. Das Beispiel Forschung.

„Die USA sind kein Ersatz für die EU“, überschreibt die NZZ einen Bericht über Sondierungen des Schweizer Bildungs- und Forschungsministers Guy Parmelin in den USA. Sie beruft sich hierfür auf die Vizepräsidentin von Swissuniversities (Konferenz der Rektorinnen und Rektoren) und den Präsidenten des ETH-Rats.

Das ist ein rasches, eindeutiges Urteil über einen Versuch einer europapolitischen Teilstrategie. Aber diese wird weiter ausgetestet werden. EU-Gegner fordern, dass sich die schweizerischen Universitäten weg von Europa, hin zu den USA, zu Grossbritannien und nach Asien orientieren, denn deren Forschungsinstitute seien höher geratet als die europäischen. Spitzen der Universitäten und der ETH, Leiterinnen und Leiter von Forschungsinstituten werden sich mit dieser pauschalen Behauptung öffentlich, präzis und anschaulich auseinandersetzen müssen, denn sie ist europapolitisch attraktiv und potenziell wirkungsmächtig.

Einstweilen ist aber von Folgendem Kenntnis zu nehmen (Auszug aus dem Bericht der NZZ vom 20.11.21, Link):

„Auch angesichts der Blockade mit der EU betont Parmelin die engere Forschungskooperation mit den USA. Doch diese taugt nicht als Ersatz, wie es bei den Schweizer Universitäten und der ETH heisst. Natürlich sei die Partnerschaft mit den USA zu begrüssen, sagt Astrid Epiney, Vizepräsidentin des Hochschulverbands Swissuniversities und Rektorin der Universität Freiburg. Doch ein Wegfall des direkten Zugangs zur europäischen Forschung könne damit nicht kompensiert werden. Bei fast der Hälfte der Publikationen arbeiten Forscher aus der Schweiz mit ihren Kollegen aus der EU zusammen. Einen weiteren Beleg für die grosse Bedeutung der europäischen Forschung sieht Epiney im Bemühen Grossbritanniens, den vollständigen Zugang zu Horizon Europe zu erhalten. Falls dies gelinge – und dafür stünden die Chancen gut –, dürfte Grossbritannien das Interesse an einer engeren Zusammenarbeit mit der Schweiz verlieren, sagt Epiney.

Die gleiche Analyse wie Epiney macht Michael Hengartner, Präsident des ETH-Rats. Die engere Kooperation mit den USA ist willkommen, aber kein Ersatz für Horizon. Dieses umfasse auch Programme zur Unterstützung von einzelnen Forschenden sowie von innovativen Startups – Bereiche, die durch das Abkommen mit den USA nicht abgedeckt seien. Das Abseitsstehen der Schweiz habe deshalb nicht nur negative Auswirkungen auf den ETH-Bereich, sondern auf das ganze Land und seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, sagt Hengartner.“

*

Das Bestreben, ausserhalb EU-Europas wenigstens teilweise Ersatz für Märkte und Kooperationen mit der EU und ihren Mitgliedstaaten zu erschliessen, ist eine zwingende Folge des Abbruchs der Verhandlungen über das Rahmenabkommens. Der Forschungsbereich ist nur ein Teil dieser Teilstrategie. Auch die angekündigte Reise des Aussenministers nach China wird dies vor Augen führen. Die Folgen für die Glaubwürdigkeit der Werthaltungen, zu denen sich unser Land bisher bekannte, werden zu diskutieren sein. Und es dürfte schwierig, wenn nicht unmöglich werden, sich gleichzeitig in den USA, in Grossbritannien und in China für Einbussen in Europa schadlos zu halten.

Siehe zu diesem Thema auch ein Interview der NZZ  mit der britischen Botschafterin in Bern, erschienen am 20.11.21.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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