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Auch Europa und die Schweiz müssen sich auf die Auswirkungen eines Grosskriegs vorbereiten.

Trotz Gipfelkonferenz Biden-Putin steigt die Gefahr eines Grosskriegs weiter. China und Russland haben durch gleichzeitige starke symbolische Akte ihre Allianz demonstriert: Chinesische Kampfflugzeuge flogen in noch nie dagewesener Zahl in den Luftraum Taiwans, Estland und Litauen melden die Verletzung ihrer Lufträume durch russische. Auch wenn Zweifel bestehen am Genügen der chinesischen Militärmacht für eine Operation Taiwan: Xi hat Partei, Armee und Volk die Eroberung Taiwans versprochen. Es wäre fahrlässig, auszuschliessen, dass er das Versprechen einlösen wird.

„Friedenspolitik muss dringend aufgewertet werden“, wurde an dieser Stelle gefordert (Link). Zudem muss nun aber die Vorbereitung auf die direkten und indirekten Auswirkungen eines Grosskriegs auf die europäischen Staaten und die Schweiz überprüft und verstärkt werden. Die Weltwirtschaft kann einbrechen, die digitale Kommunikation und Systemsteuerung kann beschädigt werden oder ausser Betrieb geraten, es kann zu nuklearer Verstrahlung, zu Flüchtlingsströmen, zu Versorgungsmängeln und noch Anderem kommen.

Im letzten Kalten Krieg haben sich europäische Länder, auch die Schweiz, systematisch auf die Folgen eines Kriegsausbruchs vorbereitet. Es sei uns fern, dies zu idealisieren. Aber wir müssen für heutige Risiken heutige Massnahmen vorbereiten.

Es soll nicht dramatisiert werden. Hier wird deshalb von Grosskrieg, nicht von Weltkrieg geschrieben. Der Einsatz von Atomwaffen ist möglich, aber unsicher, wobei nicht nur Hiroshima und Nagasaki, an strategische Terrorangriffe auf Städte zu denken ist, sondern auch an nukleare Gefechtsfeldwaffen. Auch wenn eine Kriegspartei nicht an einer nuklearen Eskalation interessiert ist – wird sie der Versuchung zum Einsatz von Atomwaffen widerstehen können, wenn sie eine konventionelle Schlacht zu verlieren droht?

Offen bleibt, ob USA und Nato wirklich für Taiwan und das Baltikum in den Krieg ziehen werden. Vorstellbar ist, dass das alte Instrument des Ultimatums wieder zum Einsatz kommt, mit dem die Herrscher in Peking und Moskau den westlichen Demokratien Zeit geben, sich zu entscheiden. Denn sie sind interessiert, ihre Ziele ohne die enormen Verluste zu erreichen, die ein Grosskrieg auch ihnen bescheren würde.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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