Der Vergleich verschiedener möglicher und tatsächlich gelebter Denk- und Verhaltensweisen fördert die Qualität unserer Urteile über Vorfahren. Es kann durchaus zu härteren Urteilen führen. Man muss dann vielleicht feststellen, dass eine Haltung, die wir heute verurteilen, schon damals nicht mehr allgemein, nicht mehr „mainstream“, nicht mehr unangefochten war. Die Untersuchung über Zürich und die Sklaverei enthält solche Hinweise.
Besonders relevant ist, wenn sich eine hinterfragte historische Figur dem ethischen und rechtlichen Fortschritt entgegenstellte. Ein Beispiel: Luther befürwortete nicht nur die Verfolgung und Tötung angeblicher Hexen, sondern er bekämpfte Rechtslehrer, die sich gegen die Hexenprozesse wandten.
Die Erinnerung an Pioniere der Menschlichkeit und Rechtlichkeit – und leider oft auch an die Opfer, die sie erbrachten, und an die Täter, die sich an ihnen vergingen – ist ebenso wichtig wie die Entlarvung von Macht- und Gesinnungstätern.