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Biden, Trump, Kretschmann, Blocher, Leutenegger – Rollenmodelle für fitte Senioren?

Tatendrang ohne Altersgrenze? Die Lust an der Macht macht ihn möglich. Aber die Erhöhung oder Flexibilisierung des Rentenalters bleibt vielleicht blockiert – und viele, die es sich leisten können, gehen vorzeitig in Pension.

Mit der durchschnittlichen Lebenserwartung verlängert sich für viele Menschen auch die Dauer des fitten Lebens. Das ist ohne Wenn und Aber ein Grund zur Freude. Wer nutzt das wie?

Joe Biden übernahm mit 78 Jahren die Führung der USA.  Donald Trump, Jahrgang 1946, wird vielleicht in vier Jahren nochmals kandidieren.

Der 74jährige Winfried Kretschmann ist seit 2011 Ministerpräsident des deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg.

Der 81-jährige Christoph Blocher will im Kampf gegen alles, was er als „schleichenden EU-Beitritt“ betrachtet, weiterhin an der Spitze stehen – wohl zur Begeisterung seiner Anhänger und Anhängerinnen.

Und noch ein Beispiel aus der Nähe: Mein Jahrgänger Filippo Leutenegger (1952) strebt eine dritte Amtsdauer als Stadtrat der Stadt Zürich an.

Übrigens sind mir nur Männer eingefallen – abgesehen von Königin Elizabeth II…

Eine generelle Beurteilung dieser Rollenmodelle wäre falsch. Im Falle von Biden und Trump mag man dazu neigen, ihre Entscheidungen für die Macht für unweise zu halten. Das Risiko eines schlagartigen Einbrechens oder gar eines unvermittelten Endes ist gross.

Aber es gibt einen Aspekt, der in allen Fällen Beachtung verdient: Jede Organisation, und somit auch jede Partei, braucht eine Personalentwicklung. Die besten Nachwuchskräfte müssen aufgebaut werden, müssen aufsteigen können. Wer an der Spitze steht, trägt Mitverantwortung für die Personalentwicklung seiner Partei, seiner Organisation. Das bedeutet auch: Bei Zeiten Platz machen für die geeignete Nachwuchskraft. Ausnahmen vorbehalten…

Wenn wir nun den Blick von den Mächtigen und Prominenten abwenden, stellen wir fest: Unsere Gesellschaft hat Bedarf an Menschen, die auch im Rentenalter noch Leistungen erbringen. Milizkrise und Mangel an Pflege und Betreuungspersonal wären noch viel schlimmer ohne die jungen Alten, die Freiwilligenarbeit, ehrenamtliche Arbeit, Betreuung Hochaltriger und Pflegebedürftiger leisten.

Leistung schafft Anregung und Befriedigung, kann gesund halten. Aber: Wer hat, dem wird gegeben. Wer im Erwerbsleben schon motiviert war, wird auch das Leben nach der Pensionierung interessant gestalten können. Wer sein Erwerbsleben unmotiviert oder gar frustriert verbrachte, wird sich im besseren Fall auf mehr Konzert- und Theaterbesuche, mehr Musikproben, mehr Wandern, Reisen, Enkelbesuche, Fischen, Schachspielen, Jassen freuen – vielleicht schon frühpensioniert -, im schlechteren Fall einem untätigen, langweiligen Alter entgegengehen. Das wirkt sich – so vorhanden – auch auf das partnerschaftliche Verhältnis aus.

Zum Schluss noch dies: Man hat offenbar herausgefunden, dass die Chancen für ein gutes Altwerden besser sind, wenn der Wille stark ist, Gutes oder Böses zu tun. Oder um aus der Johannes-Offenbarung (3,16) zu zitieren, die ich ansonsten nicht mag: „Ach, dass du kalt oder heiß wärest! Also, weil du lau bist und weder heiß noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.“

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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