„Das Genehmigungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA läuft noch“, so die FAZ weiter: „In der vergangenen Woche wurde schon bekannt, dass das Schweizer Unternehmen Adienne Sputnik V in einem Werk in Italien herstellen will. Nach russischen Angaben ist das Präparat in fast 50 Ländern zugelassen. Die russische Regierung hat beklagt, die Genehmigung von Sputnik V in der EU werde politisiert.“
Die Beziehungen zwischen Westeuropa und Russland schienen infolge des Falls Nawalny am Gefrierpunkt angelangt zu sein. Nun zeigt sich, dass es weiterhin eine andere Ebene gibt, auf der pragmatisch gemeinsame Interessen verfolgt werden.
Was soll man davon halten? Ein Reflex mag sein, dass Westeuropa durch den Einsatz des russischen Impfstoffs die Glaubwürdigkeit seiner Nawalny-Sanktionen unterhöhlt und in einer Notlage Interesse an, wenn nicht gar Abhängigkeit von, einer wissenschaftlichen und industriellen Spitzenleistung Russlands einräumt.
Aber Wille und Fähigkeit kooperativer und pragmatischer Kräfte beider Konfliktparteien, sich zu behaupten, haben auch etwas Ermutigendes. Russland und Westeuropa sind aufeinander angewiesen, zum Beispiel in der Klimapolitik. Seit dem Ende der Zweiten Weltkriegs konnte ein Schiesskrieg zwischen Westeuropa und zunächst der Sowjetunion, dann Russland, vermieden werden. Bei allem, was man, je nach politischem Standort, den Führungen hüben und drüben vorwerfen mag, muss man dafür sehr dankbar sein. Krieg tötet nicht nur Menschen, sondern auch Menschenrechte. Solange man kooperativ und wirtschaftlich aneinander interessiert ist, wird man der Versuchung, den Andern militärisch anzugreifen, eher widerstehen.
Ein wenig positive Überraschung wäre wohl auch berechtigt ob der Feststellung, dass in Libyen die Konfliktparteien zu einer Koalitionsregierung bewogen wurden. Schutzmacht der einen Konfliktpartei ist Russland.
Zum weiteren Zusammenhang:
„Zur Kooperation mit Diktaturen verdammt – wie halten wir Werte und Errungenschaften hoch?“ (Link)