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Beziehungen zwischen Russland und Westeuropa – zwischen Nawalny und Sputnik V.

„Russ­land hat nach eige­nen Anga­ben Verein­ba­run­gen zur Produk­ti­on seines Corona-Impf­stoffs Sput­nik V in Deutsch­land und ande­ren euro­päi­schen Ländern getrof­fen“, meldet die „Frankfurter Allgemeine“ am 16.3.21. „Damit wolle man den Beginn von Liefe­run­gen des russi­schen Vakzins an euro­päi­sche Länder sicher­stel­len, wenn eine Zulas­sung in Europa vorlie­ge.“

„Das Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren bei der Euro­päi­schen Arznei­mit­tel-Agen­tur EMA läuft noch“, so die FAZ weiter: „In der vergan­ge­nen Woche wurde schon bekannt, dass das Schwei­zer Unter­neh­men Adien­ne Sput­nik V in einem Werk in Itali­en herstel­len will. Nach russi­schen Anga­ben ist das Präpa­rat in fast 50 Ländern zuge­las­sen. Die russi­sche Regie­rung hat beklagt, die Geneh­mi­gung von Sput­nik V in der EU werde poli­ti­siert.“

Die Beziehungen zwischen Westeuropa und Russland schienen infolge des Falls Nawalny am Gefrierpunkt angelangt zu sein. Nun zeigt sich, dass es weiterhin eine andere Ebene gibt, auf der pragmatisch gemeinsame Interessen verfolgt werden.

Was soll man davon halten? Ein Reflex mag sein, dass Westeuropa durch den Einsatz des russischen Impfstoffs die Glaubwürdigkeit seiner Nawalny-Sanktionen unterhöhlt und in einer Notlage Interesse an, wenn nicht gar Abhängigkeit von, einer wissenschaftlichen und industriellen Spitzenleistung Russlands einräumt.

Aber Wille und Fähigkeit kooperativer und pragmatischer Kräfte beider Konfliktparteien, sich zu behaupten, haben auch etwas Ermutigendes. Russland und Westeuropa sind aufeinander angewiesen, zum Beispiel in der Klimapolitik. Seit dem Ende der Zweiten Weltkriegs konnte ein Schiesskrieg zwischen Westeuropa und zunächst der Sowjetunion, dann Russland, vermieden werden. Bei allem, was man, je nach politischem Standort, den Führungen hüben und drüben vorwerfen mag, muss man dafür sehr dankbar sein. Krieg tötet nicht nur Menschen, sondern auch Menschenrechte. Solange man kooperativ und wirtschaftlich aneinander interessiert ist, wird man der Versuchung, den Andern militärisch anzugreifen, eher widerstehen.

Ein wenig positive Überraschung wäre wohl auch berechtigt ob der Feststellung, dass in Libyen die Konfliktparteien zu einer Koalitionsregierung bewogen wurden. Schutzmacht der einen Konfliktpartei ist Russland.

Zum weiteren Zusammenhang:

„Zur Kooperation mit Diktaturen verdammt – wie halten wir Werte und Errungenschaften hoch?“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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