Aus Wolfgang Elz‘ Rezension der Biografie „Franz von Papen. Ein deutsches Verhängnis“, erschienen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 29.12.1995 (Link):
„Das Konzept der hinter Papen stehenden rechten Kreise sah die „Einrahmung“ oder die „Zähmung“ Hitlers und seiner Partei vor, also deren Abnutzung in der Regierungsverantwortung bei gleichzeitiger Kontrolle durch die rechtskonservative Mehrheit des Kabinetts, dem Papen als Vizekanzler angehörte. Sehr schnell zeigte sich jedoch, daß dieser Plan auf völlig falschen Annahmen beruhte. (…)
Der (…) Schlag Hitlers gegen den angeblichen „Röhm-Putsch“ beendete alle Spekulationen über und Forderungen nach einer „zweiten Revolution“. Gleichzeitig markierte er jedoch praktisch auch den Endpunkt des konservativen Einflusses auf Hitler. Papen selbst wurde für einige Tage unter Arrest gesetzt, und zwei seiner Mitarbeiter, darunter Edgar Jung, der Verfasser der Marburger Rede, wurden von den Schergen Hitlers ermordet. Dennoch brach Papen nicht mit dem „Führer“ und korrumpierte sich spätestens jetzt auch moralisch. (…)
Im Nürnberger Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher wurde er zwar freigesprochen, im anschließenden Spruchkammerverfahren jedoch zu achtjähriger Lagerarbeit, Konfiskation seines Vermögens und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. 1949 wurde auch diese Strafe abgemildert, so daß Papen als freier Mann die letzten zwei Jahrzehnte seines Lebens als publizistisches Irrlicht gegen die Westeinbindung der Bundesrepublik agieren konnte. Mit der Veröffentlichung von zwei Memoirenbänden demonstrierte er seine geringe Selbsterkenntnis, wie sehr er Mitverantwortung trug für das nach 1933 Geschehene und wie sehr er im Gegensatz zu seiner Selbsteinschätzung, er habe immer nur Schlimmeres verhüten wollen, stets lediglich ein Instrument Hitlers gewesen ist, der ihn dort einsetzte, wo er statt brutaler Gewalt den charmanten, weltläufigen Causeur Papen als Camouflage für seine Pläne benutzen konnte.“