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AfD wirtschaftsliberal? neonazistisch?

Interessanter Entscheid der SonntagsZeitung: Die frühere AfD-Parteichefin Frauke Petry zu interviewen (Ausgabe vom 2.2.25). Das Interview führte Rico Bandle.
Titel: «Wenn AfDler reden, geht es früher oder später immer um Hitler»

Drei Beispiele von Aussagen Petrys:

„Wenn man sich intensiv mit der AfD auseinandersetzt – oder wie ich mittendrin war -, so tun sich einige Abgründe auf. Viele Parteimitglieder haben eine Obsession mit Adolf Hitler. Wenn man diese Leute frei reden lässt, geht es früher oder später immer um Hitler. Was sagt das über die psychologische Konstitution eines Menschen aus, wenn er glaubt, dieses Thema immer aufbringen zu müssen? Bei der Migrationsfrage halte ich die Fokussierung auf die Ethnie für problematisch. Das ist aus meiner Sicht der fundamentale Unterschied zwischen der AfD zu meiner Zeit. Für mich galt noch: Jeder reguläre Einwanderer, der sich hier in Deutschland integriert, Kultur und Werte annimmt, ist ein Verbündeter. In der AfD gilt hingegen das Prinzip, dass durch die Abstammung eine ethnische Prägung festgelegt ist, an der man nicht mehr rütteln kann. Das ist sehr bedenklich – und hat übrigens eine spannende Parallele zur Woke-Ideologie, die die Menschen auch in ethnische Schubladen einteilt.“

„AfD-Hardliner Björn Höcke sagt nicht, die Woken seien seine Gegner. Für diese Denkschule gilt: Der Liberalismus ist unser Feind. Für mich ist spätestens hier der Punkt, bei dem ich sagen muss: Die AfD ist in eine völlig falsche Richtung abgebogen. Die entscheidende Frage lautet für mich: Ist jemand ein Kämpfer für die individuelle Freiheit auf Basis unserer kulturellen Wurzeln wie Christentum, Judentum und Aufklärung? Oder verherrlicht jemand das Kollektivistische, sieht das Volk, den eigenen Stamm oder was auch immer als Grundlage unseres Seins? Bei der AfD ist das Zweite der Fall.“

„Mit wem will sie (Alice Weidel) denn freiheitliche Positionen umsetzen? Es gibt in der AfD keinen inhaltlichen Streit, keine Flügel mehr. Intern bezeichnen sie das als sogenannte zweite Häutung. Höcke hat vor wenigen Wochen in einem Interview klar gesagt: Alice Weidel spielt jetzt die erste Geige, aber wichtig ist die gemeinsame Partitur. Weidel kann nichts ausrichten. Wenn sie Elon Musk sagt, die AfD sei eine libertäre und konservative Partei, so ist das einfach falsch, auch wenn sie das persönlich vielleicht gern hätte.“

Petry vertritt noch immer Positionen einer harten Rechten. Umso bemerkenswerter sind dies Abgrenzungen.

Link zum Interview.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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