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Ukraine, COVID und die Gefahr eines Taiwan-Kriegs

China ist weltweit wirtschaftlich erstarkt und schafft dadurch auch immer mehr politische Abhängigkeiten. Deshalb hätte China durch einen Taiwan-Krieg, der zu einem Asien- oder Weltkrieg eskalieren könnte, viel zu verlieren. Welche Hoffnung erlaubt dies noch, dass China Taiwan nicht überfällt?

Die Hoffnung „Wandel durch Handel“ mussten wir längst aufgeben. Gerade das Beispiel China zeigt, dass eine aufsteigende Wirtschaftsmacht eine Diktatur bleiben kann, und dass der Wille von Unternehmen, Finanz und Politik, mit der Diktatur und in der Diktatur immer mehr Geld zu verdienen, keine Rücksicht auf Menschenrechtspolitik nimmt. Die autoritäre Parteidiktatur braucht sich nicht zu wandeln, um ökonomisch weiter aufzusteigen und immer grössere Teile der Welt in ihre Abhängigkeit zu bringen.

Russlands Angriff auf die Ukraine traf noch eine andere Hoffnung: Dass Handelsbeziehungen zwar nicht zu Wandel führen, aber immerhin von militärischer Aggression abhalten würden. Russland hatte in Westeuropa gute Kunden, und mit North Stream 2 bot man der Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen eine weitere Chance. Trotzdem überfiel Putin die Ukraine.

Müssen wir nun auch im Fall Taiwan damit rechnen, dass auch China seine wirtschaftlichen Interessen klar der nationalistischen und ideologischen Priorität und dem Ehrgeiz der Führers opfert, als Eroberer in die Geschichte einzugehen? China hätte ökonomisch durch einen Gross- oder Weltkrieg viel mehr zu verlieren als Russland.

Eine sichere Prognose ist unmöglich, aber von einem gewissen Interesse ist der Versuch einer Interpretation des Verhaltens der chinesischen Führung in der COVID-Pandemie. Partei- und Staatsführer Xi ordnete die wirtschaftlichen Interessen lange seinem Entscheid für die Null-COVID-Strategie unter. Das könnte darauf hin deuten, dass er auch im Taiwan-Konflikt keine Rücksicht auf wirtschaftliche Schäden eines Eroberungsversuchs nehmen wird – umso weniger, als er während vieler Jahre in Partei, Armee und Volk die Erwartung schürte und steigerte, Taiwan in den chinesischen Staatsverband zurückzuholen, wenn nötig durch die Armee. Diese Selbstbindung könnte sich als viel stärker erweisen als die Selbstbindung an die Null-COVID-Strategie. Aber das letztliche Abrücken von Null-COVID erlaubt eine Rest-Hoffnung, dass Xi auch im Taiwan-Konflikt die wirtschaftlichen Auswirkungen nicht ausser Acht lassen wird.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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