Soll man es fatalistisch nehmen? Die Vertrauensverweigerer werden ihre Erfahrungen machen. Von denjenigen, die „den“ Behörden, „den“ Expertinnen und Experten das Vertrauen entziehen, vertrauen viele jetzt anderen Autoritäten. Warten wir ab, bis sie erkennen, dass sie durch diese in die Irre geführt werden, und sich enttäuscht von ihnen abwenden. Es gab in der Menschheitsgeschichte immer wieder Gruppen und ganze Völker, die nur durch bittere Erfahrung ihre Irreführung erkannten und sich zurückwandten zu Vernunft und Wissen.
Aber so leicht dürfen wir es uns nicht machen. Wenn sich grassierendes Misstrauen einerseits, Partikularinteressen anderseits, zu Mehrheiten verbinden, kann es vermehrt zu gefährlichen Fehlentscheiden kommen. Wir müssen deshalb Wege finden, der Bevölkerung das Wissen, das an unseren Universitäten und Hochschulen erarbeitet wird, zugänglich zu machen und zu erklären. Wissenschaftskommunikation ist zu einer gesellschaftlichen und politischen Aufgabe höchster Priorität geworden. Dazu gehört auch, Verständnis für die Vorläufigkeit und Weiterentwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse zu schaffen, transparent mit wissenschaftlicher Meinungsvielfalt umzugehen und zugleich zu verhindern, dass die stets legitimen Dissenting Opinions zur Diskreditierung der Forschungsarbeit missbraucht werden.
Der Erosion des Vertrauens in Behörden zu begegnen, ist hingegen ein Anspruch an die Professionalität der gewählten und zur Wahl antretenden Persönlichkeiten sowie der Parteien und Organisationen, die sie vertreten wollen.
Ein Lösungsansatz besteht in einer systematischeren, konsequenteren Nutzung der bestehenden Vertrauensbeziehungen in der Gesellschaft. Das geht von Information durch Hausärztinnen und Hausärzte bis zu den Berufsverbänden, Gewerkschaften, Ehemaligen-Organisationen der höheren Bildungsstätten, Volkshochschulen, Service Clubs, um nur einige von vielen Chancen zu nennen.
Siehe auch:
- Akademien der Wissenschaften Schweiz: „Die Rolle der Wissenschaft bei der politischen Reaktion der Schweiz auf die COVID-19-Pandemie.“ (Link)
- „Grenzen der Misstrauenskultur. Ganz ohne Vertrauen sind Orientierung und Entscheidung unmöglich.“ (Link)