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Wachsende Kriegsgefahr. Wie ein Krieg nuklear werden kann.

Wer an Nuklearkrieg denkt, denkt an die Zerstörung der japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Aber angesichts wachsender Kriegsgefahr ist auf die nuklearen Gefechtsfeldwaffen, die „taktischen“ Atomwaffen, hinzuweisen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Krieg durch sie nuklear würde, ist wohl grösser als diejenige eines neuerlichen „strategischen“ Angriffs mit dem Ziel von Massenvernichtung.

Aus einem Artikel der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung:

„Alle acht heutigen Nuklearmächte (sowie Nordkorea, falls es funktionsfähige Nuklearsprengköpfe besitzen sollte) verfügen bzw. verfügten über nicht strategische Nuklearwaffen. Die überwiegende Mehrheit der heute noch genutzten Waffen hat jedoch eine mittlere Reichweite – irgendwo zwischen einer typischen Gefechtsfeldwaffe und einer strategischen Waffe, die tatsächlich mehr als 5.500 km Reichweite hat. Viele dieser Waffen sind Atombomben und atomar bestückte Flugkörper für taktische Jagdbomber oder Mittelstreckenraketen, die man über variable Entfernungen von bis weit über Tausend Kilometer einsetzen kann.“ (Link)

*

Ein Krieg, in dem sich Atommächte direkt oder indirekt gegenüberstehen, kann „konventionell“ beginnen, aber wenn einer der Konfliktparteien eine Niederlage droht, besteht die Gefahr, dass die Versuchung übermächtig wird, nukleare Gefechtsfeldwaffen einzusetzen. Vorstellbar ist aber auch ein überfallartiger Einsatz nuklearer Gefechtsfeldwaffen bei Auslösung des Kriegs, um dem Einsatz starker feindlicher Verbände, die bereitstehen, zu verhindern.

Würde ein Grosskrieg erst einmal „auf dem Gefechtsfeld“ atomar geführt, könnte dies die Gefahr eines strategischen Atomschlags erhöhen, vielleicht als Verzweiflungstat einer irrational gewordenen oder schon bei Kriegsbeginn irrational gewesenen militärischen oder politischen Führung, auch wenn weiterhin die Hoffnung besteht, dass das Bewusstsein um „MAD“ („Mutual Assured Destruction“, sichere gegenseitige Vernichtung) dies verhindert.

*

Je stärker die Kriegsgefahr steigt, desto stärker auch die Notwendigkeit intelligenter, realistischer Friedenspolitik. Eine Politik des Interessenausgleichs ist möglich und notwendig, kann aber schmerzlich sein. Sie kann den Verzicht auf Einflusszonen erfordern. Und es muss sich durchsetzen, dass letztlich kein Staat von einem andern Staat oder von einem Bündnis verlangen kann, eine nukleare Katastrophe zu riskieren.

Im Fall Taiwans wird darauf hingewiesen, dass die USA einem Angriff Chinas nicht nur zum Schutz eines freien, demokratischen und selbstbestimmten Volkes militärisch entgegentreten würden, sondern um eine Nutzung Taiwans durch China als Basis atomarer Waffen und Trägersysteme zu verhindern. Trotzdem scheint möglich, einen Grosskrieg um Taiwan zu vermeiden: Wenn der Westen – bei allem berechtigten, tiefen Bedauern – eine politische Eingliederung Taiwans in China akzeptiert, aber verbunden mit einem international verlässlich kontrollierten Verzicht Pekings auf die Nutzung Taiwans als nuklearen Stützpunkt.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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