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Europas Ausnahmesituation nach 1945 – was tun wir, damit sie andauert?

Seit es in Europa Nationalstaaten gab, führten sie Kriege gegeneinander. Fürchterliche Kriege! Ein Beispiel ist der Deutsch-Französische 1870/71, dessen Schrecken uns jetzt, 150 Jahre danach, viele Publikationen vor Augen führen. Mögen sie viel gelesen werden, mögen sie verstanden werden! Und vor 80 Jahren überfiel Hitler die Sowjetunion.

Die nationalstaatliche Kriegsgeschichte begann – Historikerinnen und Historiker mögen es anders sehen – nach der Französischen Revolution. Die europäischen Fürsten wollten den revolutionären Brand auslöschen – selbst Goethe ritt als Minister des Herzogs von Weimar an die Front -, aber sie unterschätzten die revolutionären Truppen. Dann kam Napoleon Bonaparte, kam (ich überspringe Einiges) der unfähige Napoleon III. – in dessen Krieg in Italien gegen Österreich Henry Dunant bei Solferino die Gründungserfahrung für das Rote Kreuz machte -, kam der skrupellos erfolgreiche Bismarck, kam Wilhelm II., der Bismarcks Erbe verdummte, und kamen schliesslich Hitler und Stalin.

Nach 1945: Europa wurde geteilt, aber in seinem Westen und seiner Mitte von Krieg verschont. Die „Erbfeindschaft“ zwischen Deutschland und Frankreich wurde überwunden. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft wurde gegründet, in die EG und die EU übergeführt, als solide Basis der Zusammenarbeit, des schrankenlosen Handels, als Bollwerk gegen ein Wiederaufflammen von Feindschaft. Nach den Schrecken des Nationalsozialismus und des Stalinismus entschieden sich grosse Teile Europas für die Achtung der Menschenrechte. Der Europarat schuf die Europäische Menschenrechtskonvention und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

In unserem Freundeskreis wurde kürzlich ein Mädchen geboren. Was tun wir dafür, dass sie und alle geborenen und noch ungeborenen Kinder in Frieden und mit geschützten Rechten leben und alt werden können? Selbstverständlich ist das nicht. Selbstverständlich waren in Europa Krieg und Gewaltherrschaft, und nicht erst seit der Französischen Revolution – denken wir an den Dreissigjährigen Krieg.

Stehen wir zum neuen Europa des Friedens und der Menschenrechte! Setzen wir uns für seinen Fortbestand ein!

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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