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Neue SVP-Initiative: „Schutzzonen mit Hilfszentren“ – Recycling einer eben erst gescheiterten Idee

Gemäss einer neuen Initiative aus der SVP sollen Flüchtinge, Migrantinnen und Migranten zwangsweise in „Schutzzonen mit Hilfszentren“ in Afrika untergebracht werden. Ein ähnliches Projekt, das der damalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz der EU vorgeschlagen hatte, erwies sich als nicht durchführbar, weil kein Land in Afrika oder auf dem Balkan solche Zentren einrichten wollte.

Parlamentarische Initiative von Nationalrat Luzi Stamm, publiziert auf seiner Webseite:

„Die Bundesverfassung sei folgendermassen zu ergänzen (evt. Art. 121 bis BV)

 Abs. 1: Die Schweiz beteiligt sich im Ausland an Schutzzonen mit Hilfszentren, in denen Asyl- und Schutzsuchende möglichst nahe am Krisengebiet untergebracht, beschützt und verpflegt werden können. Der Bund unterstützt die dort geleistete Hilfe, insbesondere, wenn diese durch Schweizer Privatpersonen und Schweizer Organisationen geleistet wird.

Abs. 2 Personen, die in die Schweiz gelangt sind und sich hier auf Asyl- oder andere Schutzgründe berufen, werden

–  in erster Linie unverzüglich in ihr Herkunftsland oder in ein Durchgangsland zurückgebracht, sofern entsprechende Rückübernahmeabkommen oder internationale Verträge bestehen.

– in zweiter Linie in eine Schutzzone gemäss Abs. 1 verbracht, bis ihre Identität geklärt ist und sie von der Schweiz oder einem Drittstaat rechtskräftig als Flüchtlinge anerkannt worden sind. Sie können ihr Zielland nicht frei wählen.

Personen, die weder in Drittstaaten noch in eine Schutzzone im Ausland verbracht werden können, bleiben als Personen im Asylbereich respektive als vorläufig Aufgenommene an klar bestimmten Orten in der Schweiz, wo ihr Aufenthalt jederzeit behördlich überprüft werden kann.

Abs. 3: Personen im Asylbereich respektive vorläufig Aufgenommene erhalten in der Schweiz ausschliesslich Sachleistungen, bis sie rechtskräftig als Flüchtlinge mit unlimitiertem Bleiberecht anerkannt worden sind oder bis ihre Ausreise wieder möglich ist.“

Provisorischer Wortlaut einer Volksinitiative;

“Die Bundesverfassung[1] wird wie folgt geändert:

Art. 121 b  Hilfe vor Ort im Asylbereich
1 Die Schweiz schafft in Zusammenarbeit mit anderen Ländern Schutzzonen im Ausland, in denen Personen aus dem Asylbereich möglichst nahe am Herkunftsland untergebracht, betreut und geschützt werden können. Der Bund leistet finanzielle Hilfe an die in diesen Schutzzonen verwirklichten Hilfsprojekte.
2 Personen aus dem Asylbereich können ihren Aufenthaltsort und ihr Zielland nicht selbständig wählen.
3 Personen, die in der Schweiz ein Asylgesuch stellen, werden

a)  in erster Linie in ein Durchgangsland zurückgebracht, sofern entsprechende internationale Verträge wie Rückübernahmeabkommen bestehen.

b)  in zweiter Linie in eine Schutzzone gebracht. Sie leben dort, bis ihre Iden­­tität geklärt ist und sie entweder in ihr Herkunftsland zurückkehren können oder von einem Drittstaat oder der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt und aufgenommen werden.

c) in dritter Linie in ein Bundesasylzentrum gebracht. Bis sie ein definitives Bleiberecht erhalten, halten sie sich an Orten auf, wo ihr Aufenthalt jeder­zeit überprüft werden kann.
 4 Gelder für das Asylwesen werden grundsätzlich im Ausland in Schutzzonen oder anderswo für Hilfsprojekte eingesetzt, mit denen vor Ort viel mehr Menschen als in der Schweiz geholfen werden kann. In der Schweiz werden Personen aus dem Asylbereich ausschliesslich mit Sachleistungen unterstützt.”

*

Die Initiative ist in mehreren Punkten abzulehnen, insbesondere die Aufhebung der Niederlassungsfreiheit für Menschen, die keine Straftaten begangen haben, und die menschenunwürdige Verweigerung selbst der geringsten Geldleistung und damit jeglicher Handlungsfreiheit an vorläufig Aufgenommene. Darauf ist zurückzukommen.

Was die Unterbringung in „Schutzzonen mit Hilfszentren (…) möglichst nahe am Krisengebiet“ betrifft, ist in Erinnerung zu rufen:

Der österreichische „Kanzler Kurz hatte jahrelang für Flüchtlingscamps ausserhalb Europas plädiert und wollte nun im Rahmen der EU-Präsidentschaft zur Tat schreiten. Doch als sich weder im Westbalkan noch in Nordafrika ein Land für diese «Anlande-Plattformen» gewinnen liess, erklärte Kurz im Herbst in Salzburg, er wisse gar nicht, wer dieses Konzept eigentlich erfunden habe. Wenige Wochen zuvor hatte er es in Brüssel noch als Zeichen für die Trendwende in der Asylpolitik gelobt.“ (Auszug aus einem Bericht von Niklaus Nuspliger, erschienen am 24.12.2018 in der NZZ.)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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