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Konzernverantwortung: Unternehmensberichte stellen neue Anforderungen an Qualitätsjournalismus

Der Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative, der nächstes Jahr in Kraft treten wird, verlangt von Unternehmen einen „Bericht über nichtfinanzielle Belange“, der Rechenschaft gibt „über Umweltbelange, insbesondere die CO2-Ziele, über Sozialbelange,
Arbeitnehmerbelange, die Achtung der Menschenrechte sowie die Bekämpfung der Korruption“. Wer der Initiative zustimmte, wird diese Berichte misstrauisch aufnehmen – die Unternehmen selber werden erneut ihre Klagen über falsche Beschuldigungen seitens von NGO’s erheben: Eine Herausforderung an Qualitätsjournalismus.

Klagen gegen die Verletzung von Menschenrechten werden nun nicht durch schweizerische Gerichte beurteilt. Bundesrätin Karin Keller-Sutter und andere Gegnerinnen und Gegner der Initiative haben beteuert, mit deren Zielen übereinzustimmen. Diesen Zielen kommt man jetzt aber nur näher, wenn die Berichterstattungspflicht Wirkung erzielt.

Zweifellos werden NGO’s die Berichte kritisch analysieren und Beschönigungen beanstanden. Aber ihre Kritik wird von einem Teil derjenigen, die die Initiative ablehnten, als parteilich abgetan werden.

Link zum Gegenvorschlag.

Trotz der wirtschaftlichen Schwächung der Schweizer Medien und dem dadurch verursachten Abbau journalistischer Arbeitskapazität gibt es weiterhin Schweizer Redaktionen, die Korrespondentinnen und Korrespondenten in den meistbetroffenen Kontinenten und Ländern haben. Das Ständemehr vom 29.11.20 hat deren Bedeutung erhöht. Diese Aussenposten sollten nicht weggespart, sondern gestärkt werden. Wenn die ersten Debatten über Unternehmensberichte aufflackern, ist damit zu rechnen, sich auch Medien in andern Ländern dafür interessieren, wie ja auch die Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative international beachtet wurde.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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