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Als Paris die Zerstörung drohte

Gute Filme über den Zweiten Weltkrieg machen Europapolitik: Sie rufen Wahnsinn und Verbrechen der Selbstzerfleischung Europas in Erinnerung. Damit fördern sie das Bewusstsein um den Wert der Nachkriegsordnung Europas.

Im August 1944 befahl Hitler dem Stadtkommandanten in Paris, General Dietrich von Choltitz, die totale Zerstörung der Stadt. Ihre Rettung vor diesem Schicksal wurde hervorragend verfilmt: 1966 „Brennt Paris?„, 2014 „Diplomatie„. Anlass dieser Kolumne ist die Ausstrahlung von „Brennt Paris?“ durch Arte am 28. Juni 2020. „Diplomatie“ war einige Wochen zuvor zu sehen.

Bedrohung und Rettung der Stadt ergaben sich aus einem Geflecht von Lageentwicklungen, Einzelleistungen und persönlichen Entscheidungen. Sie werden durch die beiden Filme mit unterschiedlichen Akzentsetzungen komplementär vor Augen geführt.

Die Zerstörung war durch zündungsbereite Sprengladungen weitgehend vorbereitet. Für die Rettung unmittelbar kausal war die Einsicht Choltitz‘, dass die Ausführung von Hitlers Befehl ein militärisch sinnloses Verbrechen einzigartigen Ausmasses wäre. Der schwedische Konsul Raoul Nordling, der sich für einen Waffenstillstand zwischen Wehrmacht und Résistance eingesetzt hatte, trug offenbar wesentlich dazu bei, aber auch ein französischer Résistance-Offizier, der sich durch die Frontlinie zu den alliierten Truppen durchschlug und deren Führung überzeugte, unverzüglich den Vormarsch zur Befreiung von Paris anzutreten.

Potenziell schicksalshaft war auch die Auseinandersetzung zwischen dem gaullistischen und dem kommunistischen Widerstand über den richtigen Zeitpunkt für einen bewaffneten Aufstand. Die Kommunisten riskierten durch früheres Zuschlagen eine Entwicklung wie die Niederschlagung des Aufstands in Warschau, der zur Zerstörung dieser Stadt durch die Deutschen führte.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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