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Die Zahl der Menschen steigt, die den Wert professioneller Redaktionsarbeit schätzen.

In der Pandemie hat sich grosse Aufmerksamkeit auf die Wirkungsmacht der sozialen Medien gerichtet. Nun zeigt sich ein anderer, nicht weniger interessanter Trend: Die Zahl der Menschen steigt, die den Wert professioneller Redaktionsarbeit schätzen. Sie sind bereit, dafür zu bezahlen. Das trägt zur Existenzsicherung einer Vielfalt von Qualitätsmedien bei, wird aber nicht genügen.

„Dank der Pandemie spüren einige Anbieter Aufwind“ stellt Rainer Stadler, Medienexperte der NZZ, in deren Ausgabe vom 30. Mai 2020 fest. Tamedia und NZZ verzeichneten seit März eine überdurchschnittliche Steigerung von Abo-Abschlüssen. Die neue Chefredaktorin der «Financial Times», Roula Khalaf, spreche von einem Zuwachs von 50 000 Kunden seit dem Beginn der Krise. Der Effekt sei damit gar stärker als der Zugewinn aus der Brexit-Debatte. In den USA, so Stadler weiter,e habe die «New York Times» erst von den Wirren um Präsident Trump profitiert, jetzt gebe ihr die Corona-Krise Auftrieb: Im ersten Quartal seien 470 000 News-Abonnenten hinzu.

„Nun wird sich weisen müssen, ob die neuen Kunden auch in ruhigeren Zeiten bleiben werden“, fügt Stadler bei und gibt zu bedenken, dass die Gewinne bei den Abonnements die Verluste bei den Anzeigen nicht aufzufangen vermöchten.

Link zum Artikel von Rainer Stadler.

Bundespräsidentin und „Medienministerin“ Simonetta Sommaruga formulierte in einem ausführlichen, sehr lesenswerten Interview mit der „Republik“ ihr Verständnis von professionellem Journalismus:

„Der professionelle Journalismus, so wie ich ihn verstehe, ist unabhängig. Er hat einen Standard, wie man recherchiert, und einen Standard, wie man transparent macht, woran man sich orientiert und wie man arbeitet. Daneben gibt es Angebote, die keinen ernsthaften journalistischen Anspruch haben und ihre Informationen verbreiten, um Klicks oder Werbung zu generieren oder um an Daten zu gelangen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir eine journalistische Qualität pflegen und dass die Medien, die dieser Professionalität verpflichtet sind, auch erkennbar sind.“ (Link zum Interview.)

Steigende Wertschätzung für professionelle journalistische und redaktionelle Arbeit führt auch zur Frage an die Bürgerin, an den Bürger: Muss der Staat eine stärkere finanzielle Leistung erbringen, um dieses geistige und politische Grundnahrungsmittel zu sichern? Dem beherrschbaren Risiko, dass er damit mehr Einfluss auf die Inhalte bekommen könnte, ist die Wahrscheinlichkeit gegenüberzustellen, dass professionell recherchierte und redigierte Inhalte sonst existenziell gefährdet sind.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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