Sie befinden sich hier:

Estland – sehr frei und sehr bedroht

„Die weltweite Lage der Pressefreiheit ist auf einem historischen Tiefstand. Das zeigt die Rangliste der Pressefreiheit, die Reporter ohne Grenzen (RSF) am 2. Mai 2025 veröffentlicht hat.“ – „Die vorderen Plätze auf der Rangliste der Pressefreiheit machten in der Vergangenheit zumeist die skandinavischen Länder unter sich aus. Zum neunten Mal in Folge steht Norwegen auf Platz 1 – auf Platz 2 landet in diesem Jahr allerdings Estland. Damit ist es das bestplatzierte EU-Land.“

Estland ist aber auch das Land, das am ehesten befürchten muss, Putin wolle es durch einen militärischen Angriff „heim ins Reich“ holen, wenn er kriegserprobte Truppen aus der Ukraine abziehen kann.

Was Estland politisch, ökonomisch und technologisch erreicht, seit es nach dem Zerfall der Sowjetunion unabhängig wurde, ist beeindruckend. Umso tragischer wäre es, wenn über  diesem Land, diesem Volk, Putins brutale Diktatur niederginge. Aber umso attraktiver ist Estland wohl auch als erstes Opfer von Putins Ziel, die Grenzen der Sowjetunion wiederherzustellen.

Estland muss darauf setzen, dass die anderen europäischen Demokratien Putin zumindest im Ungewissen lassen, ob ein Angriff gegen Estland auf Widerstand der Nato stossen würde. Ein Teil der strategischen Fachwelt ist nach wie vor der Meinung, dass Russland keinen Angriff wage, wenn er damit rechnen müsse, auf das – gemäss Beistandsartikel 5 –  entschlossen eingesetzte Potenzial der Nato zu stossen.

Link zur Rangliste der Pressefreiheit, von Reporter ohne Grenzen.

 

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Beziehungen zu Russland: Was war falsch, was nicht?

Nun jagen sich Artikel, die publizistische Rache an Jahrzehnten deutscher und europäischer Russlandpolitik üben. Was war daran falsch, was war richtig oder zumindest vertretbar? Falsch war die Vernachlässigung der militärischen Bereitschaft, richtig war der hartnäckige Einsatz für eine Friedensordnung mit Russland. Diskutabel ist, ob man zu lange an Letzterer festhielt. Vielleicht hätten die Annexion der Krim, die russische Unterstützung der ostukrainischen Sezessionisten zu einer anderen Russlandpolitik führen müssen.

Weiterlesen »

Putins Mitverantwortung für Assads Verbrechen

Die Erleichterung über den Sturz des Assad-Regimes darf die Mitverantwortung Putins für viele Jahre verbrecherischer Herrschaft Assads nicht verdrängen. Welche Diktaturen würde er in europäischen Staaten einsetzen, die er zu erobern droht, wenn Europa sich nicht glaubwürdig gegen seinen angedrohten Westfeldzug rüstet?

Weiterlesen »

Plötzlich setzt Putin auf Beschwichtigung – aus offensichtlichen Gründen

Putin selbst und sein Umfeld machten klar, dass sie Russland auf das Territorium der Sowjetunion ausdehnen wollen. Sie drohten Polen und dem Baltikum. Dmitri Medwedew proklamierte gar ein „Eurasien“ von Portugal bis Sibirien. Die Entwicklung im demokratischen Europa und in den USA bewogen nun Putin, zu beschwichtigen – in einem Interview mit dem Trumpisten Tucker-Carlson.

Weiterlesen »