Sie befinden sich hier:

Was bedeutete Hitlers Kriegsniederlage für das deutsche Volk?

Beredte Anführungs- und Schlusszeichen… Aus der Sicht der Geschichtsrevisionisten der AfD und ihrer Apologeten war das militärische Ende des Nationalsozialismus keine Befreiung des deutschen Volkes, sondern eine „Befreiung“. So Karlheinz Weissmann, „deutscher Historiker und Mitbegründer des Monatsmagazins Cato“, in der „Weltwoche“ vom 19.12.2024.

Auszug aus Weissmanns Artikel unter dem Titel „Stamm der Verwurzelten“: „Die AfD ist keine Auferstehung der alten Union, keine Wiedergängerin früherer Rechtsparteien. Sie normalisiert den deutschen Nationalismus, wie es SPD-Vordenker Peter Glotz vorhersah“:

Dass die AfD nicht nur ein Teil einer internationalen Bewegung, sondern auch „ein spezifisch deutsches Phänomen“ sei, werde „deutlich erkennbar an der Regelmässigkeit, mit der ihre Repräsentanten zwei Dogmen in Frage stellen, die zum Kern bundesrepublikanischer Zivilreligion gehören: die Vergangenheitsbewältigung und die Westbindung. Der eine Glaubenssatz hält fest, dass die Deutschen eine Kollektivschuld nicht nur für die Verbrechen der NS-Zeit tragen, sondern noch darüber hinaus, durch die Verursachung des Ersten Weltkriegs, Vernichtungsfeldzüge in den Kolonien, die Ausbeutung der Dritten Welt und den Klimawandel. Der andere betrifft die Überzeugung, dass die Deutschen sich historisch auf einem ‚Sonderweg‘ verirrt hatten, der zwangsläufig zur Machtübernahme Hitlers, zum Zweiten Weltkrieg und Massenmord führte, ein Vorgang, der erst mit der „Befreiung“ durch die Alliierten endete, die dafür sorgte, dass die Deutschen qua westernization in den Kreis der zivilisierten Völker eingegliedert werden konnten. (…)“

Rechtsextremer Antiamerikanismus wird verständlich, wenn man annimmt, dass seine Vertreter und Vertreterinnen den USA deren entscheidenden Beitrag zum militärischen Sieg der Alliierten, einschliesslich der Sowjets, über Hitler nicht verzeihen. Es ist tatsächlich mindestens ungewiss, wie der Zweite Weltkrieg ausgegangen wäre ohne die Beteiligung der USA. Jedenfalls beschwor Churchill die USA lang und eindringlich, in den Krieg einzutreten, und Stalin drängte auf die Eröffnung der Westfront.
Mit demselben Weissmann bringt gleichentags die NZZ ein Interview unter dem Titel „Für Ungarns illiberale Demokratie habe ich durchaus Sympathie“.
Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Bildung eines Schweizer Freundeskreises Ernst Wiechert

Am 24. August 2025 jährte sich der Todestag des Schriftstellers Ernst Wiechert zum 75. Mal. Am 30. August 2025 führte die Lesegesellschaft Stäfa einen Anlass des Gedenkens an ihn durch. Er hatte seine letzten Lebensjahre in dieser Zürichseegemeinde verbracht. Auch eine Delegation der Internationalen Ernst-Wiechert-Gesellschaft (IEWG) nahm teil.
Diese Wiederbeschäftigung mit Wiechert führte vor Augen, wie aktuell sein Leben und sein Werk sind, wieviel er uns heute wieder zu sagen hat. Dies ermutigt die IEWG, sich zu aktivieren. Hierzu gehört auch die Bildung von Freundeskreisen ausserhalb Deutschlands.

Weiterlesen »

Wenn Schweizer im Ausland gegen Unrecht in den Krieg ziehen.

Wenn sich Schweizer und vielleicht auch Schweizerinnen der «Internationalen Legion der Territorialverteidigung der Ukraine» anschlössen, die der ukrainische Präsident Selenski geschaffen hat, träten sie in die Fussstapfen der Spanienkämpfer: Jener Schweizer, die 1936-39 die spanische Republik in ihrem letztlich erfolglosen Kampf gegen die Revolte des faschistischen Generals Franco unterstützten. Viele von ihnen wurden nach ihrer Rückkehr in die Schweiz bestraft. 2009 beschlossen die Eidgenössischen Räte ihre Rehabilitierung.

Weiterlesen »

Wie stellen wir uns Krieg vor?

Petra Ramsauer war 22 Jahre lang Kriegsreporterin. In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger (19.12.20)* stellt sie fest: „Die grossen Verlagshäuser zahlen immer weniger für Reportagen aus Krisengebieten.“ Das wirft die Frage auf, wie wir uns Krieg vorstellen; ob und wie Generationen, die in Europa keinen Krieg mehr näher als Ukraine, Bosnien und Kosovo erlebt haben, ein realitätsnahes Kriegsbild bekommen könnten.

Weiterlesen »