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Der neue SVP-Präsident soll einschüchtern. Sind wir denn ein Volk von Angsthasen?

Vor dem abtretenden Präsidenten Albert Rösti hätten die Gegner „keine Angst“ gehabt, schreibt Nationalrat Roger Köppel, Mitglied der SVP-Leitung. Die SVP brauche einen Präsidenten, der „heitere Einschüchterungskompetenz“ hat und „Furcht einflösst“. Dem politischen Gegner nämlich. Und wohl auch Faulpelzen in der eignen Partei.

Christoph Blocher sagte zu Radio SRF, es seien in der Regel Faulpelze, die von der SVP mehr Kompromissbereitschaft wünschten: «Wenn sie einfach das machen, was die anderen machen, müssen sie nicht arbeiten.» (Tages-Anzeiger vom 17.1.2020, S. 5). So einfach ist das.

Link zum Artikel von Roger Köppel.

Es scheint übrigens, dass es für die neu definierte Rolle des vollzeitlichen Peitschenschwingers noch kaum einen Bewerberkreis gibt.

Aber nehmen wir Köppels Forderung einmal ernst. Wie ginge das? Wie müsste ein Parteipräsident einschüchtern und Furcht einflössen? Wohl am wirksamsten durch herbeiführen besserer Wahlergebnisse.

Aber für Köppel steht etwas Anderes im Vordergrund: „Die SVP der letzten Jahre hatte kein Führungs-, sie hatte ein Charisma-Problem. Nach den glorreichen Jahren mit dem Jahrhundertphänomen Christoph Blocher, dem fröhlichen Instinktgenie Toni Brunner und dem Berner Oberländer Vollkontakt-Rhetoriker Adrian Amstutz kehrte Prosa ein.“

Also sollen die Methoden des politischen Kampfes, des Debattierens einschüchtern und Furcht einflössen.

Das mag den harten Kern der Mitglieder und Wähler der SVP begeistern. Aber die Wirkung auf Unentschlossene, die sich vielleicht durch SVP-Positionen überzeugen lassen könnten, ist höchst ungewiss.

Was für eine Vorstellung hat Köppel von den politischen Gegnern? Er traut ihnen offenbar nicht zu, den Attacken seines neuen „Stils“ standzuhalten. Was ergäbe das für ein Schweiz-Bild? Sind wir denn ein Volk von Angsthasen?

Nein. Die liberalen, ökologischen und sozialen Kräfte in der Schweiz würden infolge einer brutaleren Herausforderung seitens der SVP stärker. Bedauerlich ist nur, dass es tatsächlich Menschen gibt, deren Mitwirkung für das Gemeinwesen gut und wichtig wäre, die sich aber vom Einstieg in die aktive Politik abhalten lassen, wenn diese noch vermehrt zum professionellen Kampfsport wird.

Deutsche Rechtsextremisten wenden Methoden der Einschüchterung an, die zu Angriffen auf Leib und Leben und neulich zum Rücktritt eines Bürgermeisters und zu anderen Reaktionen führten (Link zu einem Bericht der Deutschen Welle). Wir wollen Roger Köppel nicht unterstellen, dass er solche Methoden einsetzen will. Aber er muss mit Lesern rechnen, die sich durch die Aufforderung zu Angsteinflössen und Einschüchterung auch hierzu verleiten liessen.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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