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Rechtsextreme entzweien sich am Zweiten Weltkrieg

„Das Rassemblement National (RN) bricht mit der AfD und will mit der deutschen Partei im Europäischen Parlament künftig nicht mehr in einer Fraktion sitzen.“ Dies berichtet die „Frankfurter Allgemeine“. Anlass sind Aussagen des AfD-Spitzenkandidaten Maximilian Krah über die SS.

Hintergrund seien „verharmlosende Äußerungen des AfD-Spitzenkandidaten im Europawahlkampf, Maximilian Krah, zur Waffen-SS in der italienischen Zeitung La Repubblica“ berichtet die FAZ weiter. „Er werde niemals sagen, dass jeder, der eine SS-Uniform trug, automatisch ein Verbrecher gewesen sei, äußerte Krah in einem Interview, das am 18. Mai in der italienischen Zeitung erschien. „Unter den 900.000 SS-Männern gab es auch viele Bauern: Es gab sicherlich einen hohen Prozentsatz an Kriminellen, aber nicht nur“, sagte Krah.“ Der Bruch zwischen RN und AfD hat sich laut FAZ schon länger angebahnt: „Marine Le Pen behagt der Rechtsruck der AfD beim Thema Remigration genauso wenig wie die Verharmlosung der Verbrechen in der NS-Zeit.“

Um diesen Bruch zu verstehen, muss man die Verbrechen in Erinnerung rufen, die Hitlers Elitetruppe Waffen-SS auch in Frankreich beging.

Ein Beispiel: „Am 10. Juni 1944 töteten Angehörige der SS-Division „Das Reich“ im französischen Dorf Oradour-sur-Glane 642 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder. Die Mehrzahl der Täter wurde nie zur Verantwortung gezogen.“ (Link)

Verharmlosungen der SS gehen für die meisten französischen Wählerinnen und Wähler gar nicht. Marine Le Pen und ihre Partei würden durch Zweideutigkeit und Duldsamkeit in diesem Punkt ihre Wahlchancen schwer beschädigen. Sie wissen das und handeln danach.

Dies musste der AfD bewusst sein. Aber um einige Prozentpunkte bei Wählern und Wählerinnen mit ungebrochener Nazi-Gesinnung zu gewinnen, nimmt sie in Kauf, sogar gegenüber der französischen Schwesterpartei in die historische französisch-deutsche Gegnerschaft zurückzufallen. Durch ein Erlebnis wie dieses mag sie sich in ihrer Prioritätensetzung bestätigt fühlen: „Bei einer AfD-Veranstaltung am Dienstagabend im bayerisch-schwäbischen Weißenhorn wurde Krah nach seiner Rede mit stehendem Applaus bedacht“, berichtet die FAZ. „Zu seinen SS-Äußerungen nahm er nur indirekt Stellung. „Ich habe heute erfahren, dass Frau Le Pen nicht mehr mit der AfD zusammenarbeiten will – angeblich meinetwegen.“ Für den Nachsatz erntete Krah Gelächter unter den etwa 160 Zuhörern.“

Wird die AfD gar wieder einen deutschen Anspruch auf das Elsass und auf Lothringen erheben, so wie die FPÖ einen österreichischen auf das Südtirol (Link)?

Wohin würden regierende Rechtsextreme Europa zurückfallen lassen, wenn sie nicht einmal unter sich im Einvernehmen bleiben können?

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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