Sie befinden sich hier:

Ein weiteres Urteil gegen Ungarn. Die EU muss und wird sich verändern.

Wenn die Schweiz eines Tages ihre Stellung zur europäischen Integration neu bestimmen muss, wird sie es wohl nicht mehr mit der EU in deren heutigem Zustand zu tun haben. Der EU-Gerichtshof in Luxemburg fällt immer neue Urteile gegen die neuen Autokratien. Die Union mit ihnen hat keine Zukunft. Dafür werden auch die starken, selbstbewussten, stolzen Männer in Budapest und Warschau selber sorgen wollen.

Neuestes Urteil: Das ungarische Hochschulgesetz verletzt EU-Recht (Link zum Bericht der „Süddeutschen Zeitung“).

Die Trennung von den neuen Diktaturen wird aber schmerzlich sein, und viele Verantwortliche in Brüssel und in den Hauptstädten demokratisch-rechtsstaatlicher Mitgliedländer werden sie so lange wie möglich zu vermeiden versuchen. Denn was droht, ist eine neue, die Union herausfordernde Kraft in Europa: Eine Allianz der Autoritären, vielleicht im Verbund mit Grossbritannien, vielleicht unterstützt durch die USA.

Sie werden aber auch auf Grenzen stossen. Ungarn wird Rückendeckung von Russland wollen und bekommen. Für das historisch und gegenwärtig rigoros antirussische Polen, das durch Putins Narrativ des Zweiten Weltkriegs neu provoziert wurde, scheint diese Strategie vorerst unmöglich.

Das demokratisch-rechtsstaatliche Europa muss sich zum Ziel setzen, an dieser Entwicklung zu erstarken. Herausforderungen rütteln auf. Wie wird sich die Schweiz verhalten? Denken wir heute schon darüber nach.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Im Dilemma zwischen Richtungswahl und Persönlichkeitswahl.

Sehr fraglich, ob Emmanuel Macron Staatspräsident geworden wäre, wenn sich der gaullistische Spitzenkandidat François Fillon nicht während des Wahlkampfs charakterlich als unwählbar erwiesen hätte. Und wird nun in Deutschland eine grüne Richtungswahl verunmöglicht, weil immer mehr Wählerinnen und Wähler der Spitzenkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, infolge ihrer schweren Fehler nicht zutrauen, Kanzlerin oder auch „nur“ Vizekanzlerin zu werden?

Weiterlesen »

Zur Bedeutung einer Streitschlichtung mit Schiedsgericht für die Bilateralen

Die Gegnerschaft einer neuen Vertragsgrundlage für die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) erweckt den Eindruck, die vorgesehene Streitschlichtung laufe faktisch auf eine umfassende Zuständigkeit des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg hinaus. Das vorgesehene Schiedsgericht sei ein Feigenblatt zur Verharmlosung des Souveränitätsverlusts, der der Schweiz drohe. Was ist davon zu halten?

Weiterlesen »

Wird Grossbritannien zum Leader für Staaten und Kräfte, die ein anderes Europa wollen?

Nach der klaren Bestätigung des Brexit durch die Wählerinnen und Wähler stellt sich die Frage, was für eine Europapolitik Grossbritannien entwickeln wird. Sicher ist nur, dass das Land damit seine eigenen Interessen verfolgen muss und wird. Londons Rolle in Europa hängt vom ökonomischen Erfolg des Brexit und von der Entwicklung der Beziehungen zu den USA ab.

Weiterlesen »