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Wenn Wissenschaftskommunikation zu knapp ist

„Sport treiben hilft doch nicht“, titelt die „NZZ am Sonntag“ auf ihrer „Wissen“-Seite vom 18.12.22 (S. 51). Aber die darunter stehende Kürzest-Meldung ist nicht beurteilbar und kann deshalb nicht Grundlage für eine Infragestellung präventiver Empfehlungen sein.

Da lesen wir: „Bewegung im Alter senkt das Risiko für Herzleiden, stärkt die Knochen und hebt die Stimmung. Auch verbessert sie die Kognition, so eine Annahme. Eine Studie kommt nun aber zu einem anderem Schluss. 585 Personen im Alter von 65 bis 84 Jahren wurden angehalten, Sport zu treiben, Achtsamkeitsübungen zu machen oder beides (‚Jama‘). Sechs Monate später liess sich weder für den Sport noch für das Achtsamkeitstraining ein kognitiver Nutzen feststellen.“

Damit werden präventive Empfehlungen in Frage gestellt, die über viele Jahre erforscht und kommuniziert wurden. Dem muss man sich stellen, damit muss man sich auseinandersetzen. Hierfür möchte – und müsste – man aber die Mitteilung des Forschungsinstituts, das zu diesem Ergebnis gekommen ist, und/oder den Artikel des wissenschaftlichen Journals lesen, in dem es vorgestellt und erklärt wird.

Je einschneidender die Botschaft, desto wichtiger verlässliche, authentische Informationsquellen.

Bei aller Anerkennung für die Leistung der Wissenschaftsredaktion der „NZZ am Sonntag“ über Jahr und Tag: Diese Kürzest-Meldung ist nicht beurteilbar und kann deshalb nicht Grundlage für eine Infragestellung präventiver Empfehlungen sein.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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