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Credit Suisse: Vertrauensbildung durch Ausbau des China-Geschäfts?

Die Credit Suisse wolle ihr China-Geschäft ausbauen und reduziere zugleich ihr Engagement in den USA, berichtet die SonntagsZeitung am 4.9.22. Wird dies zur Rückgewinnung von Vertrauen beitragen, das die Grossbank so bitter nötig hat?

Ein militärischer Überfall Chinas auf Taiwan sei nur noch eine Frage der Zeit: Sofort wohl nicht, sondern eher in drei oder fünf Jahren. Dies ist eine verbreitete Expertenmeinung. Wenn Nanci Pelosi und ihr Umfeld eine Eskalation riskierten,  kann dies durchaus wohlüberlegt gewesen sein, denn es wäre Taiwan heute eher möglich gewesen, Chinas Angriff zurückzuschlagen, als nach ein paar Jahren weiterer Aufrüstung der chinesischen Streitkräfte.

Bis zum erwarteten Überfall führt China Nervenkrieg durch immer weiter gehende militärische Drohgebärden. Und vergangene Woche wurde gemeldet, Taiwans Armee habe eine chinesische Kampfdrohne abgeschossen.

„China demontiert sich selbst“, titelt die „NZZ am Sonntag“ gleichentags: „Die Wirtschaft läuft so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Probleme sind die Folge politischer Fehlentscheidungen.“ Was bedeutet dies für einen strategischen Entscheid der Credit Suisse, das Geschäft in China, mit reichen Chinesen und Chinesinnen, auszubauen?

Dass es der CS-Führung egal ist, wenn ein Ausbau des China-Geschäfts quer steht zur Menschenrechtspolitik der Europäischen Union und – in noch etwas vermindertem Masse – der offiziellen Schweiz, überrascht nicht wirklich. Aber wie wird sich dieser Aspekt auf die angestrebte Rückgewinnung des Vertrauens in Europa und der Schweiz auswirken? Selbst in den eidgenössischen Räten zeigt sich trotz hoher Priorität der Aussenwirtschaftspolitik ein Wille, auch gegenüber China die Menschenrechtspolitik nicht aufzugeben – mag die SVP dies auch als Dummheit bezeichnen.

Politik und Medien überbieten sich mit Kritik daran, dass Westeuropa sich in Abhängigkeit zur russischen Diktatur begeben hat. Wer nicht offensichtlich dafür mitverantwortlich war, posiert als Besserwisser. Wie wird es tönen, wenn es sich als nachteilig erweist, die Abhängigkeit von China erhöht zu haben?

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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