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Unabgeklärte Demenz-Symptome: Zerstörte Partnerschaft, gekündigte Arbeitsstelle

Am Beginn von Alzheimer und anderen Demenzkrankheiten stehen oft Beziehungsprobleme und berufliche Rückschläge. Eine Diagnose schafft Verständnis. Sie öffnet den Weg zu Rat und Unterstützung, zur Vorbereitung des kommenden Lebensabschnitts und zu rechtzeitigen Entscheidungen wie Patientenverfügung, Vorsorgeauftrag, Testament.

Seit Jahrzehnten setzt sich deshalb Alzheimer Schweiz (vormals Schweizerische Alzheimer-Vereinigung) dafür ein, sich bei Auftreten beunruhigender Symptome ärztlich diagnostizieren zu lassen. Diesem Thema war auch die zweite Nationale Demenzkonferenz gewidmet, die Alzheimer Schweiz am 28. April 2022 gemeinsam mit Public Health Schweiz durchführte: Link zum Kurzbericht von Alzheimer Schweiz.

Die Konferenz begann mit einem eindrücklichen Testimonial eines Mannes, dem Alzheimer diagnostiziert wurde, und seiner Partnerin: „Man ist sich nicht mehr böse“, wenn man weiss, dass die Verhaltensänderungen durch eine Krankheit bedingt sind. Und eine Referentin zitierte eine andere Angehörige: „Ich habe gedacht: Wenn du nicht krank bist, werde ich dich verlassen.“ Ein Hauptthema war die Eröffnung der Diagnose. Man dürfe dies nicht verharmlosen: „Es ist ein Schock.“ Ärztinnen und Ärzte und die interdisziplinären Teams von Memory Kliniken müssen sich für diese anspruchsvolle Aufgabe Zeit nehmen, und mit der ersten Besprechung ist es kaum getan.

Alzheimer ist eine Volkskrankheit, die viel verstecktes Leid, Überforderung und Verarmung verursacht. Besonders belasten ist, wenn – wie bei der Frontotemporalen Demenz – Hauptsymptome nicht Vergesslichkeit, sondern Verhaltensänderungen wie Aggression, Enthemmung und Empathieverlust sind.

Die Forschung an Heilmitteln hat immer wieder zu Enttäuschungen geführt, soeben erneut mit Aducanumab. Hauptrisikofaktor ist hohes Alter – das immer mehr Menschen erreichen. Aber Demenzkrankheiten können bereits im Erwerbsalter auftreten, und im Alter, in dem man noch Familienpflichten hat.

Viel ist zu tun für ein besseres Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen mit Demenz. Dazu gehört die Förderung rechtzeitiger Diagnosen sowie der Qualität ihrer Eröffnung und der anschliessenden Unterstützung.

*

Deklaration: Der Verfasser dieses Texts, Ulrich Gut, war 2009-2020 Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz und derzeit Stiftungsratspräsident von Alois & Auguste, einer von Alzheimer Schweiz gegründeten Stiftung zur Förderung innovativer und partnerschaftlicher Praxisprojekte für ein besseres Leben mit Demenz.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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