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Für den Zusammenhalt braucht es nicht nur „Nette“

Es seien „wohl eher die Netten, die einer wachsenden Polarisierung trotzen und das Land zusammenhalten“, schreibt Markus Freitag, Professor für politische Soziologie am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern, in einem Gastbeitrag in der „NZZ am Sonntag“. Aber damit die Netten nett bleiben können, braucht es andere, die nicht nett sind: Es braucht jene, die dem Dominanzstreben von Extremisten entschlossen und hartnäckig entgegentreten.

Markus Freitags Beitrag zur Typologie der Netten ist durchaus lesenswert und weitgehend nachvollziehbar – auch als netter Widerspruch gegen einen Slogan der SVP (Link zum Artikel). Aber er beschreibt die Netten so, dass von ihnen nicht erwartet werden kann, sie würden mit ihrer Haltung und ihren  Präferenzen einen Sturm entschlossener Hardliner an die Macht verhindern.

Die Netten sind darauf angewiesen, am Verhalten Anderer zu sehen, dass man sich den Extremisten nicht unterziehen muss: Dass Widerstand möglich ist und geleistet wird – Widerstand, der Raum freihält für nette Lebensweise und eine nette Beziehung zur Politik.

Dann besteht auch Hoffnung, dass ein Teil der Netten erkennt, wenn Kampf not tut not; sich zutraut und entschliesst, auch selber in den Kampf einzugreifen: In einen Kampf, bei dem es nicht nur um ein nettes Leben geht, sondern um eine freiheitliche, demokratische, offene, humane und tolerante Gesellschaft.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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