Verantwortungsbewusste Migrationspolitik muss zukunftsfähig sein. Es geht bei den folgenden Überlegungen um Migration, nicht um die viel grössere Aufnamebereitschaft, die bei Flucht aus Gefahr für Leib und Leben geboten ist.
Mit zukunftsfähiger Migrationspolitik ist gemeint: Die europäischen Staaten müssen den Migrantinnen und Migranten, die sie aufnehmen, eine menschenwürdige berufliche und private Perspektive bieten können. Es ist nicht human, Menschen hier zwar aufzunehmen, aber im Bewusstsein, dass viele von ihnen verelenden, vereinsamen oder in Kollektiven stranden werden, die kaum oder nicht an der Zivilisation Anteil haben, die die Migrantinnen und Migranten hier suchten, und sich mit dieser zum Teil in Konflikte verstricken.
Für eine humanere Migrationspolitik einzutreten, verlangt vor allem eine viel stärkere Beschäftigung mit der beruflichen und kulturellen Integrationskapazität der europäischen Länder, und einen stärkeren Einsatz für ihren Ausbau. Je mehr Migrantinnen und Migranten unsere Gesellschaften integrieren können, desto mehr können sie aufnehmen. Es wäre naiv, zu verkennen, dass Rechtspopulisten gerade diese Feststellung zum Argument GEGEN alle Integrationsbemühungen missbrauchen werden: Je mehr Nichtintegrierte, desto besser für die Propaganda für Fernhaltung und Ausschaffung.
Die europäische Migrationspolitik ist mitursächlich dafür, dass Migrantinnen und Migranten in libyschen Lagern stranden und misshandelt werden. Die Forderung ist auch deshalb berechtigt, legale Migrationswege zu öffnen. Aber diese würden wohl leider nicht verhindern, dass abseits von ihnen auch in Zukunft illegale Migration gewagt wird.
Wir werden unser Gewissen nicht so bald beruhigen können.