Sie befinden sich hier:

Die relevanten Kriterien für die Beurteilung der Schweizer Armee und ihrer Stärkung

Eine Meinungsumfrage besagt, die Überzeugung, die Schweizer Armee sei wichtig für den nationalen Zusammenhalt, sei stark zurückgegangen. Dies sei ein schlechtes Vorzeichen für die kommenden Entscheide über die Stärkung der Armee und deren Finanzierung. Aber für deren Beurteilung gehört der Beitrag der Armee zum Zusammenhalt, so wünschenswert er ist, nicht zu den entscheidenden Kriterien.

Aus dem Bericht des Tages-Anzeigers vom 5. Februar 2026 unter dem Titel „Der gesellschaftliche Kitt bröckelt“ (Link):

„Ob die Idee auch in einer Abstimmung vor der Bevölkerung besteht? Die Zusammenhaltsstudie von Sotomo gibt dazu interessante Einblicke. Vor einem Jahr hielt noch jede dritte Person den Militärdienst für förderlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. 2025 ist es nur noch gut jede fünfte. «Dies deutet darauf hin, dass der emotionale Effekt des Einmarschs der Russen in der Ukraine bereits wieder abnimmt», heisst es in der Studie. Und weiter: «Das aggressive Weltklima führt nicht zu einem grösseren Zusammenhalt, sondern heizt die Polarisierung noch an, weil die Bedrohungslage unterschiedlich bewertet wird.» Selbst wenn es Figuren wie der amerikanische Präsident Donald Trump ganz offensichtlich auf die Schweiz abgesehen hätten, führe das nicht zu einem grösseren Zusammenhalt, sagt Studienautor Hermann. Stattdessen konzentriere man sich auf das Trennende. In diesem Klima Mehrheiten für eine Aufrüstung zu finden, die erst noch durch eine höhere Mehrwertsteuer finanziert wird – das dürfte schwierig werden.“

*

Welches sind die relevanten Kriterien zur Beurteilung der Schweizer Armee und der Forderung, sie zu stärken?

Erstens die Bedrohungsszenarien, beurteilt sowohl nach Wahrscheinlichkeit als auch nach Gefährlichkeit.

Zweitens die Beurteilung des möglichen Beitrags der Schweizer Armee, wahrscheinlichen und gefährlichen Bedrohungen wirksam zu begegnen.

Drittens: Da die Schweizer Armee schon zu General Guisans Zeiten (1940, Rückzug ins Réduit nach Frankreichs Kapitulation) nicht in der Lage gewesen wäre, die Schweiz ab Landesgrenze zu verteidigen, und heute weniger denn je: Wird die notwendige militärische Kooperation mit den europäischen Demokratien, der Nato und künftig wohl einer Verteidigungsorganisation der EU, glaubwürdig vorbereitet?

Viertens: Will man die Schweiz im Angriffsfall überhaupt militärisch verteidigen, oder zieht man widerstandslose Hinnahme von Besetzung und Fremdherrschaft vor, konkret durch eine brutale Diktatur wie diejenige Putins?

Deshalb ist nicht der Rückgang der Überzeugung, dass die Armee zum nationalen Zusammenhalt beitrage, von grosser Bedeutung für die Zustimmung zur Armee und ihrer Stärkung, wohl aber die Feststellung, „das aggressive Weltklima“ führe „nicht zu einem grösseren Zusammenhalt, sondern heizt die Polarisierung noch an, weil die Bedrohungslage unterschiedlich bewertet wird.» Sachliche, verständigungsorientierte Information und Diskussion über die Bedrohungsszenarien müssen gefördert werden.

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel